Das Digitale Landesmuseum Thüringen

100 Objekte. 100 Museen = 100 Geschichten


100 Museen haben mit ungewöhnlichen, berühmten oder wertvollen Stücken aus ihren Sammlungen diese erste virtuelle Ausstellung möglich gemacht. Jedes dieser Objekte hat etwas ganz Besonderes zu erzählen. Alle zusammen zeigen 400 Millionen Jahre Geschichte - aus, mit und über Thüringen und auch über die Landesgrenzen hinaus. Das Digitale Landesmuseum Thüringen ist ein neues Format für alle, die sich für Thüringen und seine Museen interessieren: Hier können Sie sich überraschen lassen! Sie können Unerwartetes entdecken oder guten Bekannten wieder begegnen. Wir möchten Sie inspirieren, auch die realen Objekte in den Thüringer Museen zu besuchen und dort noch viele andere kennenzulernen. Denn im Museum begegnet man Geschichte und Geschichten.


Treten sie ein!


Ihr Museumsverband Thüringen e.V.

Museumsverband Thüringen e.V.
100 Objekte. 100 Museen = 100 Geschichten
100 Museen haben mit ungewöhnlichen, berühmten oder wertvollen Stücken aus ihren Sammlungen diese erste virtuelle Ausstellung möglich gemacht. Jedes dieser Objekte hat etwas ganz Besonderes zu erzählen. Alle zusammen zeigen 400 Millionen Jahre Geschichte - aus, mit und über Thüringen und auch über die Landesgrenzen hinaus. Das Digitale Landesmuseum Thüringen ist ein neues Format für alle, die sich für Thüringen und seine Museen interessieren: Hier können Sie sich überraschen lassen! Sie können Unerwartetes entdecken oder guten Bekannten wieder begegnen. Wir möchten Sie inspirieren, auch die realen Objekte in den Thüringer Museen zu besuchen und dort noch viele andere kennenzulernen. Denn im Museum begegnet man Geschichte und Geschichten. Treten Sie ein!  Ihr Museumsverband Thüringen e.V.
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Hof und Herrschaft
FSU Jena: Orientalisches Münzkabinett
Jena
693-696 n. Chr.
Gold-Dinar
Nur sieben Exemplare des kurzzeitig in Damaskus geprägten Münztyps sind heute bekannt. Seine Bedeutung erwächst aus der arabischen Überformung eines byzantinischen Zahlungsmittels. Statt des Kaisers von Byzanz, wie im Münzwesen dieses Raumes bis zur arabischen Eroberung üblich, ist nun ein Herrscher in arabischem Gewand und mit einem Schwert als Zeichen seiner Macht abgebildet. Mit Abd al-Malik (reg. 685-705) wurde erstmals ein Kalif bildlich dargestellt. Die Beschriftung ist bereits arabisch verfasst und auch die Rückseite wurde der neuen Herrschaft angepasst: Sie zeigt statt eines byzantinischen Kreuzes eine Art Säule mit einer Kugel. Ähnliche Monumente sind für mehrere Städte Syriens nachgewiesen. Mit diesen Münzen brachte Abd al-Malik einen Grenzen und Zeiten überdauernden Herrschaftsanspruch zum Ausdruck. Das Kalifat war gekommen, um zu bleiben.
Hof und Herrschaft
Schlossmuseum Sondershausen
Sondershausen
um 1710-1715
Staatswagen der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen
Die Grand carrosse gilt als das älteste Beispiel ihrer Art in Deutschland. Europaweit sind heute vergleichbare Exponate nur in wenigen Wagensammlungen bedeutender Residenzen, wie Stockholm, London, Lissabon und St. Petersburg, erhalten. Die weitgehend in originaler Ausstattung erhaltene Kutsche diente als Leibkarosse des Fürsten Heinrich von Schwarzburg-Sondershausen (1689-1758) und war wohl über zwei Generationen das ranghöchste Fahrzeug des Fürstenhauses. Die Nutzung der möglicherweise in Paris gefertigten „Goldenen Kutsche“ war allein zeremoniellen Anlässen vorbehalten – gleichsam ein „Thron auf Rädern“. Die wegen ihrer Ausstattung mit kostbaren Textilien auch als „Blauer Staatswagen“ bezeichnete Kutsche wurde mit sechs Pferden bespannt und kam gelegentlich noch bis Ende des 19. Jahrhunderts bei besonderen Anlässen zum Einsatz.
Hof und Herrschaft
Museum Dornburger Schlösser
1890
Dornburger Menükarte zum Geburtstag Großherzog Carl Alexanders von Sachsen-Weimar-Eisenach
Großherzog Carl Alexander (1818-1901) förderte die Künste und umgab sich mit Kunstwerken. Dies bezeugen sogar Details, wie die in kleiner Auflage gedruckten Menükarten zu seinen Geburtstagen. Diese feierte er gern in Dornburg, wo sich mit dem Rokokoschloss ein Kleinod der Thüringer Schlossbaukunst befindet. Getafelt wurde dabei im historischen Speisesaal, und die eigens dafür gestalteten Speisekarten gehörten dazu. Die mit Rokoko-Ornamenten verzierte Menükarte zum 72. Geburtstag nimmt nicht nur auf den Baustil des Schlosses Bezug, sondern zeigt auch mit dem Löwenleuchter von Emile Gallé eine bis heute an Ort und Stelle stehende persönliche Erwerbung Carl Alexanders. Gereicht wurden übrigens sieben Gänge und drei Nachspeisen.
Hof und Herrschaft
Klassik Stiftung Weimar: Schloss und Park Belvedere
Weimar
1835, 1841
Prunkvasen-Paar mit Panorama-Ansichten
Die Prunkvasen sind Ausdruck der dynastischen Verbindungen zwischen den Hohenzollern und dem großherzoglichen Haus. Maria von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde 1827 mit Prinz Carl von Preußen vermählt, ihre Schwester Augusta ehelichte zwei Jahre später Prinz Wilhelm von Preußen und konnte so zur Königin von Preußen und 1871 zur Deutschen Kaiserin aufsteigen. Die Schwestern residierten zeitweilig in Sichtweite voneinander in den Schlössern Babelsberg und Glienicke. Mit den beiden Vasen sandte der preußische König auch Landschaftspanoramen, wie sie die Prinzessinnen erleben konnten: Eine Vase zeigt das Panorama des Berliner Lustgartens, die andere eine Ansicht von Potsdam mit Glienicker Brücke, Schloss Glienicke und Marmorpalais. Bei drehbarer Aufstellung ermöglichten die umlaufend auf die Vasen gemalten Veduten einen imaginären Rundblick.
Hof und Herrschaft
Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg Sch
Schleusingen
16. Jahrhundert bzw. 19. Jahrhundert / 20. Jahrhundert
Münzteller
Gewiss handelt es sich um die Liebhaberei eines kunstsinnigen Münzsammlers, der zwölf kostbare Renaissance-Taler aus vor allem deutschen und eidgenössischen Prägestätten in einen verzierten Teller aus Silber einarbeiten ließ. Die Datierung des Arrangements ist nicht gesichert, jedoch erfreuten sich solche Zusammenstellungen im 18. und 19. Jahrhundert großer Beliebtheit. Bei dem prächtigen Münzteller sind die Geldstücke sorgsam zusammengestellt – nur kostbare Taler wurden gewählt, geringwertige Groschen, Heller oder Pfennige haben keinen Platz, und jede Prägung kommt nur einmal vor. Die Taler zeigen meist das Bildnis des Münzherrn. Eines der seltensten Exemplare ist der 1563 geprägte Taler des Grafen Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen (1511–1583), letzter männlicher Vertreter der hennebergischen Dynastie.
Hof und Herrschaft
Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg
Altenburg
1712
Prunkuhr
Über allem steht der absolute Herrscher – Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676-1732), dessen Büste die kostbare Augsburger Uhr krönt. Die Altenburger Landesstände sowie die Städte Altenburg, Eisenberg und Saalfeld hatten sie beim Silberschmied Georg Sigmund Kohler (1666-1716) in Auftrag gegeben. Das Uhrwerk mit 24-Stundenblatt, Datumsanzeige und Musikspielwerk auf Silberglocken stammt von Jacob Mayr (1648-1714). Überreicht wurde das kostbare Geschenk nach dem Landtag des Jahres 1712. Auf den Landtagen dieser Jahre herrschte selten eitel Sonnenschein. Eine 1703 verfügte Kopfsteuer und die hohen Aufwendungen für das im Ausland eingesetzte Militär bedrückten die Stände. So stellt die Uhr nicht allein ein Zeugnis barocker Huldigung dar, sondern auch einen Appell, mit (mehr) Liebe und Klugheit zu regieren. Dafür stehen die allegorischen Silberfiguren zu beiden Seiten des Giebels.
Hof und Herrschaft
Schlossmuseum Arnstadt
Arnstadt
vor 1740
Porträt Fürst Günthers I. von Schwarzburg-Sondershausen (1678-1740)
2015 sollte ein im Depot aufbewahrtes Porträt Augusts des Starken ausgestellt werden. Doch das Bildnis konnte den sächsischen Kurfürsten und polnischen König beim besten Willen nicht darstellen – die physiognomischen Differenzen waren viel zu groß. Identifiziert wurde es als ein qualitätvolles Bildnis Fürst Günthers I. von Schwarzburg-Sondershausen. Jedoch mehrten sich die Anzeichen einer großflächigen Übermalung. Es musste dringend geröntgt werden. Kostenfrei half der ortsansässige Tierarzt Dr. Olaf Gensen. In seiner Praxis trat eine große Überraschung zutage: Im Bauch des Fürsten versteckte sich das Bildnis einer Dame! Doch wer ist dargestellt? Das ungewöhnliche, heute restaurierte Werk ist eines der spannendsten in der Ausstellung, stellt man sich doch unwillkürlich die Frage, wer und warum hier übermalt wurde.
Hof und Herrschaft
Museum Neues Schloss Rauenstein
Rauenstein
1865 - 1867
Teller aus dem Speiseservice von Kaiser Maximilian I. von Mexiko
Maximilian, Erzherzog von Österreich, wurde 1864 unter französischer Vermittlung zum Kaiser von Mexiko ernannt. Zur standesgemäßen Ausstattung wurde schnell ein etwa 700-teiliges Speiseservice benötigt. Die Bestellung ging an die Rauensteiner Porzellanfabrik. Das Service weist ein einzigartiges Dekor mit einer Variante des mexikanischen Staatswappens auf. Das Motiv des Adlers mit Schlange geht auf eine atztekische Besiedlungslegende zurück. Doch trotz der Übernahme dieses heimischen Motivs währte Maximilians Herrschaft nur drei Jahre. Von ausländischer Hilfe verlassen, wurde er von republikanischen Truppen gefangen genommen und kurz vor seinem 35. Geburtstag hingerichtet. Von dem offenbar in alle Winde zerstreuten Service kehrten sechs Teller nach fast 150 Jahren an den Ort ihrer Herstellung zurück – Rauensteiner Porzellan wurde bis 1930 im ehemaligen Schloss produziert.
Hof und Herrschaft
Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz
Greiz
1771
Marie-Jeanne Comtesse du Barry und ihr Page Louis-Benoît Zamore
Das aufwendig gedruckte Blatt beruht auf einer Vorlage des Porträtmalers Jean-Baptiste André Gautier-Dagoty (1740-1786). Dargestellt ist Marie-Jeanne Comtesse du Barry (1743-1793). Das Kind einer Näherin verdankte ihren Wohlstand einer Intrige: Pro forma verheiratet mit einem Adligen wurde sie an den Königshof lanciert und von Ludwig XV. zur Mätresse erwählt. Bis heute hängt eine Gemäldeversion dieses Bildnisses im Schloss von Versailles. Doch ebenso bedeutend für das Leben der Comtesse war der Page links am Bildrand. Aus den Memoiren der Porträtierten kennt man seinen Namen: Louis-Benoît Zamore (1762-1820). Er stammte aus Chittagong (heute Bangladesch), und der König schenkte ihn im Knabenalter seiner schönen Gespielin. Während der Revolutionsjahre schloss sich Zamore den Jakobinern an und denunzierte seine Herrin mehrfach. Seine Zeugenaussage brachte die Comtesse schließlich auf die Guillotine.
Museumsverband Thüringen e.V.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt
Erfurt
1804 - 1804
Schreibschrank
Das äußere Erscheinungsbild des Schreibschrankes ließ lange Zeit nicht an der inschriftlichen Datierung zweifeln. Bei neueren Untersuchungen stellte sich jedoch eine typisch barocke Bauweise heraus. Das Schreibpult ist nachträglich in die vormalige Anrichte eingesetzt worden. Auch wurden an mehreren Fehlstellen der sichtbaren Farbschicht Befunde vorhergehender Fassungen von etwa 1700 und 1750 festgestellt. Die Inschrift „C C L 1804" verweist wohl auf den damaligen Schullehrer von Friedrichswerth Conrad Christoph Ludwig. Dieser könnte den Umbau und die Übermalung der angekauften oder im Schulhaus vorgefundenen Anrichte veranlasst haben. Dabei lässt die Ausführung der Schreibplatte darauf schließen, dass der beauftragte Handwerker über „höfische Erfahrungen“ verfügte – vielleicht von Aufträgen für das örtliche Lustschloss der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Schloss- und Stadtmuseum Glücksburg Römhild
Römhild
frühes 17. Jahrhundert
Römhilder Kästchen
Römhilder Handwerker verstanden es, arbeitsteilig kleine Möbelstücke herzustellen, die es an und in sich hatten. Stabil aus Holz gefertigt, mit Eisenriegeln und Schnappschloss versehen, bildeten sie solide Aufbewahrungsladen. Doch die aufwendige Veredlung mit schwarzem Lack, mit aufgelegten Kleinarchitekturen, deren feine Reliefs an Elfenbein erinnern – es handelt sich aber um Alabaster, dessen Bearbeitung wesentlich aufwendiger war - verleihen den Stücken den Rang von Kostbarkeiten. Sein eigentliches Potenzial entfaltet ein „Römhilder Kästchen“ jedoch erst nach dem Öffnen: Bewegliche Wände, verschiedene Gefache und kleine Schübe verdecken die Geheimfächer. Diese erlauben die Aufbewahrung vieler kleiner Kostbarkeiten, die nur den Eigentümer etwas angingen – oder die Eigentümerin. Europaweit befinden sich etwa 30 Römhilder Kästchen in musealen Sammlungen.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Thüringer Landesmuseum Heidecksburg
Schwarzburg
1595
Radschlossbüchse
Mit dem gebläuten Achtecklauf und der reichen, aus insgesamt etwa 4.300 Einzelteilen bestehenden Einlage aus Elfenbein am Schaft gehört die Radschlossbüchse zu den schönsten Stücken der Zeughaussammlung. Neben einem gravierten Radgehäuse mit sächsischem Rautenschild verfügt die Prunkwaffe auch über einen gravierten Hahn mit Engelskopf. Doch den Blick ziehen vor allem die gravierten Elfenbeinintarsien auf sich. Sie sind als Laubwerk angelegt, das mit Vögeln belebt ist. Die Vorlagen dafür stammen von Virgil Solis (1614-1562), einem Nürnberger Kupferstecher. Technische Präzision und filigrane Gestaltung kennzeichnen das Meisterstück der Büchsenmacherkunst. Kein Wunder, dass in der Waffe ein lukratives Verkaufsobjekt erkannt wurde, doch ein mutiger Einspruch des Staatlichen Museums Heidecksburg bewirkte 1988 die Rückführung aus dem Staatlichen Kunsthandel der DDR.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens
Weimar
um 500 n. Chr
Adlerfibel
Zwischen 506 und 510 heiratete der Thüringer König Herminafried auf Betreiben des ostgotischen Königs Theoderich des Großen dessen Nichte Amalaberga. Die Verbindung der beiden Königshäuser trug wesentlich zur Machtentfaltung der Thüringer in Mitteleuropa bei. Aus dieser Zeit der dynastischen Verbindung stammt das Grab einer ostgotischen Prinzessin bei Oßmannstedt. Neben weiterem kostbaren Schmuck enthielt es die aus einer byzantinischen Werkstatt stammende goldene Fibel in Adlerform. Die Vorderseite ist mit Goldzellenwerk und mit vergoldeter Silberfolie hinterlegten Almandinen gestaltet. Die Rückseite ziert ein eingepunztes naturalistsches Bild eines Adlers. Die etwa 25-jährige Frau hatte einen nach reiternomadischer Sitte deformierten Kopf. Sie gehörte zur ostgotischen Elite und verstarb offenbar auf einer Reise durch Thüringen.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Bachhaus Eisenach
Eisenach
um 1735
Bach-Pokal
Seit seiner Entdeckung 1935 versuchen Fachleute, die Symbolik des Bach-Pokals zu entschlüsseln. Auf der Vorderseite ist ein Spiegelmonogramm mit den Buchstaben J, S und B eingeschliffen – ein Spiel mit den Initialen von Bachs Namen. Die Buchstabenenden laufen in 14 Punkten aus. 14 ist die „Bach-Zahl“, denn nach dem natürlichen Zahlenalphabet (A=1, B=2, usw.) ist B+A+C+H gleich 2+1+3+8 gleich 14. Auf der Rückseite steht ein Gedicht mit ausgeklügelten Notenzeilen, die das barocke Spiel mit Symmetrien, Spiegelungen und Umkehrungen verraten. Das „Bach-Motiv“ erscheint, Bachs Name in Noten. Versteckt kehrt auch die Bach-Zahl wieder. Doch wer könnte dem Komponisten ein solches Geschenk gemacht haben? Vielleicht Bachs Schüler Johann Tobias und Johann Ludwig Krebs – denn in den Noten und Numerologien sind mehrmals Umkehrungen enthalten, also musikalische „Krebse“.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Angermuseum
Erfurt
1655-1662
Erfurter Münzhumpen
Erst mit dem Auftauchen im Kunsthandel konnte der Meister identifiziert werden: Die Initialen F E stehen für Friedrich Engau, Meister ab 1647 und bis 1662 als Mitglied einer Erfurter Goldschmiedefamilie erwähnt. Der Münzhumpen stellt das erste Werk dar, das Engau zugewiesen werden kann. Insgesamt sind 32 unterschiedliche Münzen eingelötet, die Zwischenräume mit feinen Gravuren verziert. Die zwischen 1538 und 1655 geprägten Geldstücke stammen vornehmlich aus wettinischen, welfischen, Schwarzburger und Sachsen-Weimarer Münzstätten. Profane Goldschmiedearbeiten aus Erfurt sind infolge der Tributzahlungen an Napoleon und der damit verbundenen Einschmelzungen extrem selten; schon im Dreißigjährigen Krieg ging das Erfurter Ratssilber fast in Gänze verloren. So bildet der Münzhumpen ein seltenes Belegstück für das hohe Niveau der Erfurter Gold- und Silberschmiedekunst im 17. Jahrhundert.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Gedenkstätte Point Alpha
Geisa
ab 1968
Blücher-Medaillen für Tapferkeit
Blücher-Medaille und der Blücher-Orden wurden als jeweils dreistufige Kriegsauszeichnungen der Deutschen Demokratischen Republik ins Leben gerufen. Die Benennung geht auf den preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742-1819) zurück, der 1814 im Krieg gegen Napoleon Bonaparte die Rheingrenze überschritt und am Sieg bei Waterloo beteiligt war. Die Stiftung der Medaille erfolgte am 18. September 1968 durch den Ministerrat der DDR. Da sich die DDR in ihrer Geschichte aber nie aktiv an Kriegen beteiligt hat, wurden die in großer Stückzahl vorproduzierten Medaillen und Orden niemals vergeben. Ihre Existenz wurde zu DDR-Zeiten geheim gehalten. Nur wenige Museen verfügen über Exemplare.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Waffenmuseum Suhl
Suhl
1989
Seitenschloss-Drilling in Luxusausführung
Das Suhler Jagdwaffenwerk war Ende der 1980er-Jahre weltweit der größte Hersteller von dreiläufigen Jagdgewehren. Die mit feinen Gravuren und Schnitzereien verzierte Luxuswaffe verfügt über zwei Schrot- und einen Kugellauf. Auch in technischer Hinsicht handelte es sich um ein Spitzenprodukt. An dem Unikat haben mehrere Suhler Meister über ein Jahr gearbeitet. Der Drilling sollte den Auftakt zu einer neuen Modellreihe bilden. Dafür wurde traditionell eine Luxusausführung hergestellt, die zur Präsentation auf Messen bestimmt war und dem Waffenmuseum übergeben wurde. Die reich verzierte Waffe wurde zum 40. Jahrestag der DDR zwar noch dem Museum geschenkt, aber den Weg zu einer Messe fand sie nicht mehr. Es war die letzte Luxusausführung eines Drillings aus dem Volkseigenen Betrieb – trotz feiner Schaftverschneidungen in „Renaissance-Laub“ und „Schottischer Fischhaut“.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Museum 1806
Cospeda (Ortsteil)
1806
Haarsträhne Napoleons I.
„Cheveux de l´Emp. Napoleon, qui m´ont été donnés par son valet de chambre en 1806“ notierte ein unbekannter Eigentümer 1843 auf der Rückseite – Haare des Kaisers Napoleon also, ausgehändigt von dessen Kammerdiener im Jahr 1806. Ein ebenso stolzer Besitzer danach war der zweite Sohn Carl Augusts von Sachsen-Weimar. Er war nicht der einzige Ernestiner, der ein Napoleon-Souvenir wie eine Reliquie erwarb. So hatte Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822) mit anderen Erinnerungsstücken einen ausgedienten Hut Napoleons von dessen Kammerdiener Louis Joseph Marchand (1792-1876) erworben. Bedienstete des Kaisers betrieben offenbar einen schwunghaften Handel. Marchand begleitete Napoleon nach St. Helena, wo er seinem Herrn kurz nach dessen Tod am 5. Mai 1821 eine Strähne abschnitt. Er war damit wohl nicht der Erste!
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Deutsches Optisches Museum
Jena
1750
Prunkmikroskop nach Duc de Chaulnes
Es handelt sich um das einzige Exemplar dieses Typs, das in Deutschland nachgewiesen ist. Selbst weltweit sind von dem aufwendig verzierten Rokoko-Mikroskop nur etwa ein Dutzend bekannt. Aber nicht nur die Ästhetik, auch die Technik besticht – kein Wunder, galt doch sein Erfinder, der Pariser Astronom und Physiker Michel Ferdinand d'Albert d'Ailly (1714-1769), Herzog von Chaulnes, als begeisterter Optiker. Das Mikroskop besitzt einen kippbaren Tubus, der eine komfortable Benutzung im Sitzen ermöglicht. Mit dem Objektmikrometer konnten Präparate in einer bis dahin ungewohnten Präzision vermessen werden. Die Umsetzung der in diesem Mikroskop vereinigten Neuerungen war derart anspruchsvoll, dass für die Ausführung die Fähigkeiten von zwei besonders begabten Meistern vereint werden mussten. So fertigte Claude-Siméon Passement die Optik, während André Maingaut die Mechanik schuf.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei
Nordhausen
1945-1949, Nachkriegsjahre
Schmuggelbehälter
Der gewölbte Blechbehälter wurde wahrscheinlich kurz nach dem 2. Weltkrieg zusammengeschweißt. Oben befinden sich zwei Ösen und eine verkorkbare Öffnung. Damit konnte der Behälter an einer Schnur um den Hals gehängt und bäuchlings unter der Kleidung versteckt werden. Es handelt sich um ein Gefäß zum Schmuggeln von Schnaps. Nordhausen lag in der Nähe der Zonengrenze, und der traditionell am Ort hergestellte Hochprozentige ließ sich trotz aller Verbote in der nahen Westzone gut gegen begehrte Waren – vor allem Lebensmittel und West-Zigaretten – tauschen. Material und Verwendung verkörpern die Nordhäuser Kriegs- und Nachkriegszeit in ein und demselben Exponat, denn das Blech stammte aus der V2-Raketenfertigung, für die im nahe gelegenen KZ Mittelbau-Dora über 12.000 Häftlinge starben.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Stiftung Schloß Friedenstein Gotha: Historisches Museum
Gotha
um 1795
Glasharmonika
Die Erfindung der Glasharmonika wird keinem geringeren als Benjamin Franklin (1706-1790) für das Jahr 1762 zugeschrieben. Die unterschiedlich großen Glasschalen wurden auf einer Achse montiert und über ein Pedal in Rotation versetzt. Man fuhr mit den befeuchteten Fingern über die Schalenränder und erzeugte dabei lang gezogene Töne. Die ersten Instrumente wurden nach einer von Franklin verfassten Bauanleitung gefertigt. Zu den bekannten Herstellern gehörten die Werkstätten Pohl in Böhmen und August Heinrich Wenck (Wenk, 1753-1814) in Brüheim bei Gotha. Diese perfektionierten das Instrument in Form und Klang. Ab etwa 1830 wurde Glasharmonikas allerdings kaum noch gespielt – wegen ihres durchdringenden, sphärischen Klangs wurde sie als nervenschädigend für Spieler und Zuhörer empfunden. Heute sind erhaltene Instrumente seltene Raritäten.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Stiftung Schloß Friedenstein Gotha: Schloßmuseum
Gotha
um 1725
Gothaer Elefant
Zu einer Zeit, in der es nur wenigen Europäern vergönnt war, einen lebenden Elefanten mit eigenen Augen bestaunen zu können, entwarf der italienische Bildhauer und Architekt Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) eine große Skulptur, die 1667 auf der Piazza della Minerva in Rom aufgestellt wurde. Ein Jahrmarktselefant stand ihm dabei Modell. Nachfolgende Künstlergenerationen nutzten Berninis steinernen Dickhäuter als Vorbild für eigene Werke – auch der berühmten Dresdner Hofgoldschmied Johann Melchior Dinglinger (1665-1731) bei seinen Elefanten im „Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb“ von 1709. Das Miniaturensemble befindet sich heute im Grünen Gewölbe. Der Gothaer Elefant kommt dem großen Vorbild in Rom am nächsten. Er wurde einige Jahre später nochmals in der gleichen Form in Silber gegossen, zum Teil vergoldet und mit Edelsteinen besetzt.
Museumsverband Thüringen e.V.
Geschichten und Legenden
Museum Reichenfels
Hohenleuben
1. Drittel 17. Jahrhundert
Nachtlampe Wallensteins
Der Legende nach soll sich die Öllampe am 25. Februar 1634 in Eger befunden haben, und zwar in jenem Zimmer des Pachelbelschen Hauses, in dem zur gleichen Zeit kein geringerer als Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein, vor Kurzem noch übermächtiger Kriegsherr des Kaisers, logierte. Drei Mal hatte er bereits hier im Hause des Stadtkommandanten gewohnt, der vierte Aufenthalt sollte sein letzter sein. Sein Gastgeber war in das Mordkomplott verstrickt, das irische und schottische Söldner an jenem Abend an Wallenstein in kaiserlichem Auftrag verübten. Das Gebäude beherbergt heute das Stadtmuseum von Eger, wo sich viele Jahre eine moderne Nachbildung jener Nachtlampe befand, die in Hohenleuben bewahrt wird und deren Licht Wallenstein vielleicht einen letzten Blick auf seine Mörder ermöglichte.
Geschichten und Legenden
Wartburg Stiftung Eisenach
Eisenach
1858
Minnesängerschrank
Im Sängersaal der Wartburg lassen nicht nur Moritz von Schwinds berühmtes Sängerkriegsfresko und die Ausmalung der Sängerlaube die Blütezeit mittelhochdeutscher Dicht- und Sangeskunst wieder auferstehen, auch ein repräsentativer Schrank ist ganz diesem Thema gewidmet. Entworfen von Hugo von Ritgen (1811-1889), reich beschnitzt von Friedrich Hrdina (1829-1911) und im Stil mittelalterlicher Tafelbilder von Rudolf Hofmann (1820-1882) bemalt, zählt der „Minnesängerschrank“ zu den Meisterwerken historistischer Möbelkunst in Europa. Die Szenen zu Wolfram von Eschenbachs „Parzvial“, Gottfried von Straßburgs „Tristan“ und dem Nibelungenlied in den oberen Türfeldern verweisen zugleich auf seine Bestimmung: Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach verwahrte hier bedeutende Ausgaben mittelhochdeutscher Dichtungen.
Geschichten und Legenden
Stadtmuseum - "Haus zum Stockfisch"
Erfurt
1641 - 1685
Zunftpokal („Gustav-Adolf-Pokal“)
Erfurt hatte eine Riemerzunft, schließlich wurden Gurte, Zaumzeug und Riemen aller Art für Pferde und Fuhrwerke benötigt. Die Zünfte pflegten Rituale zur Aufnahme neuer Meister, statteten sich aus mit Zunftlade, Innungsordnung oder einem besonderen Willkommenspokal, mit dem neue Meister oder Ehrengäste bewirtet werden konnten. Der „Willkomm“ der Erfurter Riemer entstand allerdings erst, nachdem ein besonderer Gast als Mitglied aufgenommen worden war: König Gustav II. Adolf von Schweden. Er hatte 1631 im Haus „Hohe Lilie“ Quartier bezogen, als im benachbarten Gasthaus die Riemer ein Aufnahmezeremoniell abhielten. Als der König nach seinen Pferden sehen wollte, geriet er in die Gesellschaft der Riemer – und wurde prompt in die Zunft aufgenommen. An das Ereignis erinnert die Schaumünze mit dem Bildnis des Königs, die er persönlich als „Einstand“ gezahlt haben soll.
Geschichten und Legenden
GoetheStadtMuseum Ilmenau
Ilmenau
um 1800
Medaillon „Orpheus unter den Tieren“
Eine Spezialität der Ilmenauer Porzellanmanufaktur waren ab 1800 Medaillons in Art der Jasperware des Josiah Wedgwood (1730-1795). Im Gegensatz zum englischen Vorbild wurden sie in Ilmenau nicht als Steinzeug, sondern in Biskuitporzellan gefertigt. Auf den typischen, blau gefärbten Fond wurde das in Metallformen gepresste Bildrelief aufgelegt. Oft waren zusätzliche Modellierungen von Hand nötig, um die Detailgenauigkeit zu erhöhen. Die Plaketten dienten als Wandschmuck, zierten Möbelstücke oder wurden als Broschen und Kettenanhänger getragen. Die besonders groß ausgeführte Bildplakette zeigt ein Motiv aus der griechischen Mythologie. Orpheus, der berühmte Sänger, tänzelt graziös mit seiner Lyra vor einem Baum und betört die Tiere mit seinem Spiel. Nicht nur die anatomische Genauigkeit besticht, sondern auch die Feinheit der Ausführung bei kleinsten Details.
Geschichten und Legenden
Meininger Museen
Meiningen
1909 - 1910
Bühnenbild „Antike Säulenhalle“ für Shakespears „Ein Sommernachtstraum“
Unter den 275 Bühnendekorationen der in Europa einzigen Sammlung illusionistischer Theatermalerei bildet die zur Aufführung des „Sommernachtstraums“ eine der beeindruckendsten. Sie stammt aus dem Coburger Theatermaleratelier der Gebrüder Brückner. Naturgetreu im Detail, sicher in den Perspektiven, meisterlich in der Farb- und Lichtwirkung machte allein diese Bühnenausstattung den Theaterbesuch zum Erlebnis. Nach dem Brand des Theaters von 1908 sollte mit dem Lieblingsstück des Theaterherzogs die Wiedereröffnung erfolgen. Doch für die Dekorationen des Schlussaktes fehlte noch die entscheidende Idee, weswegen die Premiere um über zwei Monate verschoben werden musste. Den rettenden Einfall, die Szene in eine antike Säulenhalle zu verlegen, hatte schließlich eine ehemalige Schauspielerin – Georgs Gattin, Helene Freifrau von Heldburg.
Geschichten und Legenden
Meininger Museen
Meiningen
1889
Tafelaufsatz „Zlatorog“
„Dieser Liebeskind ... hat mir bis heute weder Honorar noch Exemplare geschickt und ich fürchte, dass mir nichts weiter überbleibt, als den Menschen zu verklagen.“ Mit diesen Worten beschwerte sich 1879 der Meininger Dichter Rudolf Baumbach (1840-1905) über seinen Leipziger Verleger. Schon im Jahr zuvor waren seine „Lieder eines fahrenden Gesellen“ erschienen. Dabei hatte Baumbach bereits internationale Bekanntheit mit der Alpensage „Zlatorog“ erlangt. Diese brachte dem Verleger ein Vermögen ein, doch erst zur 50. Auflage 1889 zeigte sich dieser spendabel: Er übersandte seinem Bestseller-Autor den eigens gefertigten Tafelaufsatz. Dieser zeigt Motive und Personen aus dem Erfolgsepos und – wohl als Gleichnis für den Umsatzerfolg – jenes sagenhafte Gamshorn, das den Zutritt zu einem Schatzberg ermöglicht. Bekannter bei uns ist jedoch ein anderes Werk Baumbachs, das zum Kanon fast jeder Liedertafel gehört: „Hoch auf dem gelben Wagen“.
Geschichten und Legenden
Meininger Museen
Meiningen
um 1875
Klarinetten-Paar
Richard Mühlfeld stammte aus Bad Salzungen. Er begann seine Musikerlaufbahn zunächst als Geiger in der Meininger Hofkapelle. Als Autodidakt eignete er sich zudem die Klarinette an, und dies so gut, dass er nicht nur mit diesem Instrument im Meininger Orchester eingesetzt wurde, sondern auch den Ruf an das Bayreuther Opernhaus erhielt, um hier 1876 zur Eröffnung Wagners „Ring“ zu spielen. Ab 1884 war er zwölf Jahre in Folge der Soloklarinettist des Bayreuther Festspielorchesters. Während er hier unter namhaften Dirigenten seine Instrumente zum Klingen brachte, war es doch Meiningen, wo Mühlfeld seinen Ruf als einer der bedeutendsten Klarinettisten der Zeit erlangte. Grundlage hierfür war die 1891 einsetzende Zusammenarbeit mit Johannes Brahms, die in vier Kompositionen mündete, die Brahms dem Klarinettisten - seiner „Nachtigall des Orchesters“ - widmete und mit denen beide auf umjubelte Konzertreisen gingen. Mühlfelds Klarinetten wurden dadurch so berühmt, dass es mehrfach Nachbauten gab.
Geschichten und Legenden
Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg
Sonneberg
1843-1844
Figurenensemble „Gulliver in Lilliput“
Wer kennt sie nicht, Jonathan Swifts Geschichten aus „Gullivers Reisen“ von 1726? Der wohl bekanntesten Episode „Gulliver in Liliput“ setzte der Sonneberger Spielzeug-Verleger Adolf Fleischmann (1819-1895) ein besonderes Denkmal mit einem Figurenensemble, das schon auf der Londoner Weltausstellung 1851 zu einem Publikumsmagneten wurde. Ein Nürnberger Modelleur und drei einheimische Bossierer fertigten die 170 individuell gestalteten Figuren mit Hingabe, Detailreichtum und heimischen Rohstoffen. Im Fall des Gulliver wurde Papiermaché in Form gebracht, die Liliputaner jedoch sind aus einer Teigmasse geknetet. Wenn die Spießbürger Liliputs mitunter ein wenig teigig um die Hüften wirken, so liegt dies aber nicht am Material, sondern entspricht einer kongenialen Umsetzung von Swifts satirischer Vorlage.
Museumsverband Thüringen e.V.
Nah und Fern
Schillerhaus
Rudolstadt
um 1800
Tischglobus der Caroline von Wolzogen
Dass die Schwägerin Schillers einen kleinen Tischglobus besaß, verwundert nicht. Obgleich sie selbst nie Auslandsreisen unternehmen konnte, hatte Caroline von Wolzogen (geb. von Lengefeld, 1763-1847) nicht nur durch ihre Sprachkenntnisse einen „weltläufigeren“ Bildungshorizont, sondern auch durch ihre Ehen. Ihr erster Ehemann, Friedrich von Beulwitz, traf mehrmals in diplomatischer Mission auf Napoleon. Ihr zweiter Gatte, Wilhelm von Wolzogen, hatte in Paris den Sturm auf die Bastille erlebt und handelte in Sankt Petersburg die Heirat der Zarentochter Maria Pawlowna mit dem Weimarer Erbprinzen aus. Obgleich die Kartografie noch so manchen weißen Fleck aufwies und die Welt auf den erschwinglichen Tischgloben meist nur in Schwarzweiß-Drucken aufgeklebt wurde – für die gebildete Eigentümerin dürfte der Globus nicht nur ein Ziergegenstand gewesen sein.
Hof und Herrschaft
Thüringer Landesmuseum Heidecksburg
Rudolstadt
1766-1770
Hoftafelservice der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt
Das Speisegeschirr gehört zu den frühesten Porzellanen der Volkstedter Manufaktur und gilt als das älteste aus Thüringen. Fürst Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt (1721-1767) gab das Service in seiner Manufaktur in Auftrag. Die Idee für die Formgebung geht wahrscheinlich auf den Rudolstädter Modellmeister Karl Adolf Kändler (gest. 1762), ein Bruder des berühmten Meißener Porzellanmodelleurs, zurück. Plastische Delfinköpfe, Blüten und Früchte zieren neben handgemalten Blumen, Wappen und den plastischen Gitterbändern die insgesamt 100 Teile. Bis in das 19. Jahrhundert blieben in der Manufaktur die Formen des Hoftafelservices für Nachbestellungen verfügbar. Die blaue Unterglasurmarke aus zwei gekreuzten Gabeln ähnelt nicht ohne Grund den Meißner Schwertern – wurde doch in Volkstedt bald ebenso erfolgreich wie in Sachsen das weiße Gold hergestellt.
Nah und Fern
Mühlhäuser Museen
Mühlhausen/Thüringen
1990/91
Selbst vor rotem Bauwagen
Der Sondershäuser Maler Günther Jahn (1933-2011) thematisiert eine grundlegende Frage während der Friedlichen Revolution von 1989/90. Der Wagen kann einerseits als Symbol für den begonnenen „Umbau“ jener Wochen und Monate gelesen werden, andererseits aber auch für Ortsveränderlichkeit, den Weggang. Allerorten stellte sich in der untergehenden DDR die Frage, ob man nun mit der neuen Freiheit die angestammte Heimat verlassen würde, vielleicht auch zur Existenzsicherung verlassen müsse. Die Ballons stehen so als Zeichen für manchen hochfliegenden Traum, aber auch für das Abtreiben in eine nicht selbst bestimmbare Richtung unter einem drohend dunklen Himmel. Der Künstler setzte sich selbst ins Bild, wie er den Ballons hinterherschaut. Mit wenigen markanten Symbolen verbildlichte er hier eine persönliche Frage als Ausdruck eines allgemeinen Problems. Jahn selbst blieb.
Nah und Fern
Museum Burg Posterstein
Posterstein
1813
Thümmelsche Karte, Section XVI
In der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution, Herrschaft Napoleons und Wiener Kongress stieg Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) am Hof der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg vom Pagen zum Minister auf. Als Gesandter verbrachte er über ein Jahr im Paris Napoleons. In seinen 57 Dienstjahren leistete Thümmel Großes für das Herzogtum, darunter die grundlegende Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils und den Bau des ersten Altenburger Krankenhauses, damals ein europäischer Musterbau. Inspiriert von seiner Liebe zur Architektur und zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Er zählte zum Dichterkreis im Salon der Herzogin von Kurland im Schloss Löbichau. Als außergewöhnliche Grabstätte wählte sich Thümmel die 1.000-jährige Eiche in Nöbdenitz.
Nah und Fern
Glocken- und Stadtmuseum Apolda
Apolda
um 1430
Chinesische Bronzeglocke
Die Glocke wurde von einem Seemann nach Deutschland gebracht. Auf eine chinesische Herkunft verweisen die stilistische Einheitlichkeit von hölzernem Glockenträger und Glockendekor mit Drachen-, Wellen- und Wolkenmotiven, Flammenperlen sowie die Inschrift: „Der alte Shi (ließ) diese Metallglocke für kaiserlichen Nutzen (fertigen). // (Mit) zehntausend Altertümern hinterlässt man (seinen Erben) einen guten Ruf.“ Zum guten Ruf des Stifters hat die Glocke gewiss beigetragen, nicht nur durch ihren sonoren Klang, der zwischen den Geistern des Wassers und der Lüfte vermitteln soll, sondern vor allem durch ihre kunstvolle Gestaltung. Die imposante Schnitzarbeit und die reichen figürlichen Verzierungen ziehen Betrachtende sofort in ihren Bann. Doch es lohnt sich auch das genauere Hinsehen aus der Nähe: Die gesamte Glocke ist mit einer feinen Silbertauschierung überzogen.
Nah und Fern
Astronomiemuseum der Sternwarte Sonneberg
Sonneberg
1923
Erste Sternhimmel-Fotoplatte Cuno Hoffmeisters
Am 14. September 1923 belichtete der Astronom Cuno Hoffmeister (1892-1968) die erste Fotoplatte des nördlichen Sternenhimmels in der Sternwarte Sonneberg. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass daraus das zweitgrößte astronomische Fotoplattenarchiv der Welt werden sollte. Mit der kontinuierlichen Fortsetzung dieser fotografischen Dokumentation schuf er eine Grundlage zur Erforschung der „Veränderlichen Sterne“ in Sonneberg. Etwa ein Drittel aller bekannten variablen Sterne in unserer Galaxis wurde anhand dieser Platten in der vordigitalen Zeit entdeckt. Die heute mehr als 275.000 Aufnahmen haben etwa neun Jahrzehnte der Geschichte des nördlichen Sternhimmels festgehalten. Heute wird das Archiv mittels digitaler Fotografien erweitert. Die historischen Aufnahmen stehen digitalisiert den Astronomen der ganzen Welt zur Verfügung.
Nah und Fern
Museum für Angewandte Kunst
Gera
1922
Kabinettschränkchen aus dem Calais-Mediterranée Express (Train Bleu)
Nach Coco Chanel (1883-1971) ist Luxus nicht das Gegenteil von Armut, sondern von Gewöhnlichkeit. Gewöhnlich ist dieses Möbelstück ebenso wenig wie sein einstiger Bestimmungsort, stammt es doch aus dem berühmten nachtblau lackierten Luxuszug „Train Bleu“, der ab 1886 zwischen Calais und der französischen Riviera verkehrte. Die Interieurs der Reisewaggons wurden von namhaften Innenarchitekten gestaltet. Der Entwurf für das in Gera erhaltene Kabinettschränkchen stammt vom Pariser Designer René Prou (1889-1949). Feine Einlegearbeiten aus exotischen Hölzern und die glänzende Oberfläche spiegeln eine prunkvolle Variante des Art déco. Es war unter anderem der Train Bleu, der Serge Diaghilev (1879-1929) zu einem Ballett inspirierte, dessen Bühnenbild Pablo Picasso entwarf. Die Kostüme zum Ballett stammten von der Grande Dame der Modewelt: Coco Chanel.
Museumsverband Thüringen e.V.
Freiheit und Selbstbestimmung
Stadtmuseum Weimar
Weimar
23. Februar 1928
Thüringer Landtag - Hebammengesetz, Frau Sachse (SPD) am Rednerpult
1890 in Wintersdorf im Altenburger Land geboren, ließ sich Alfred Ahner in Gera zum Lithografen ausbilden. Sonntäglicher Zeichenunterricht führte zur Bekanntschaft mit Otto Dix (1891-1969), der den feinen, oft mit nachträglichen Schraffuren verunklärten Strich in Ahners Zeichnungen auszubilden half. Nach Studium an den Kunstakademien von München und Stuttgart ließ sich Ahner 1922 als Kunstmaler in Weimar nieder und wurde mit seiner Zeichenlust nicht nur zum Chronisten der Stadt, sondern auch zu einem Zeitzeugen des Parlamentarismus im noch jungen Freistaat. Unzählige Male besuchte er die Landtagsdebatten und hielt die Abgeordneten fest. Mit der Skizze während der Debatte zum Hebammengesetz vom 23. Februar 1928 hinterließ er nicht nur ein Zeugnis der demokratischen Meinungsbildung, sondern auch der politischen Frauenemanzipation. Der Künstler starb 1973 in Weimar.
Freiheit und Selbstbestimmung
Mühlhäuser Museen
Mühlhausen/Thüringen
16. Jahrhundert
Bauernwehr
Als Bauernwehr wird ein langes Eisenmesser mit schwerer einschneidiger Klinge bezeichnet. Die mitunter verzierten Griffschalen waren ursprünglich aus Holz oder Horn gefertigt. Albrecht Dürer (1471-1528) hat derartige Messer als Ausrüstungsgegenstand des Bauernstandes oder von Fuhrleuten beobachtet und als kennzeichnendes Attribut in mehreren Darstellungen festgehalten. Die als Waffe und Werkzeug nutzbare Bauernwehr wurde am Gürtel getragen und gehörte auch während des Bauernkrieges zur Grundausstattung der Aufständischen, was Spekulationen über die Herkunft des Bodenfundes eröffnet. Das Exemplar wurde am Rande eines Altweges im Hainich bei Mühlhausen entdeckt – also im Kerngebiet der damaligen Auseinandersetzungen.
Freiheit und Selbstbestimmung
Stadtmuseum Camburg
1848 - 1848
Wahlurne für die Wahlmänner 1848
Das Exponat ist eines der seltensten seiner Art und verkörpert ein Stück deutscher Demokratiegeschichte. Es handelt sich um eine Urne zur Wahl der Wahlmänner für das erste deutsche Volksparlament in Frankfurt – die Nationalversammlung in der Paulskirche. Ende März und Anfang April 1848 verabschiedeten Gesandte aus den deutschen Einzelstaaten zwei Wahlgesetze zur Durchführung von Wahlen für eine „constituirende deutsche Nationalversammlung“. Dabei oblag es den Einzelstaaten – in diesem Fall Sachsen-Meiningen – die Mandate in direkter Wahl oder über Wahlmänner vergeben zu lassen. Die Wahl im Camburger Amtsbezirk fand am 22. April 1848 statt und 192 Stimmen wurden abgegeben. Trotz knapper Zeit hatte man die Urne mit besonderer Hingabe gefertigt, wovon insbesondere die Bemalung zeugt.
Freiheit und Selbstbestimmung
Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
Erfurt
1989
Armbinde der Erfurter Bürgerwache
Ende der 1980er-Jahre setzen sich immer mehr Menschen in der DDR für Freiheit und Demokratie ein. Doch das Ministerium für Staatssicherheit (kurz: Stasi) unterdrückte die Bürgerrechtsbewegung und inhaftiert missliebige Personen in speziellen Haftanstalten. Eine davon steht am Erfurter Domplatz in der Andreasstraße. Am 4. Dezember 1989 wird die Andreasstraße zum Schauplatz der Friedlichen Revolution, als Frauen sich frühmorgens Zutritt zur Erfurter Stasi‐Zentrale verschaffen. Gemeinsam mit anderen Mutigen richten sie die Bürgerwache ein, die Beweise für die Menschenrechtsverletzungen der Geheimpolizei sichert. Mit selbst genähten Armbinden demonstrieren sie Autorität. Es ist die erste Besetzung einer Stasi‐Zentrale samt der dazugehörigen Haftanstalt. Einen Tag nach der revolutionären Aktion entsteht das Erfurter Bürgerkomitee, das die Auflösung der DDR‐Geheimpolizei vorantreibt.
Freiheit und Selbstbestimmung
Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
um 1970
Herrenjacke
Am 25. Mai 1973, kurz vor Mitternacht, ereignete sich am Rande der Ortschaft Mödlareuth die einzige geglückte Flucht über die Mauer in diesem Grenzabschnitt. Einem Kraftfahrer aus Göttengrün (heute Saale-Orla-Kreis) gelang es, unter Ausnutzung seiner Ortskenntnisse und seines Passierscheines für den Schutzstreifen des DDR-Grenzgebietes ungehindert bis an die Betonmauer in Mödlareuth heranzufahren. Vom Dach seines Kleinbusses der Marke Barkas B 1000 überwand er mithilfe einer selbst gebauten Eisenleiter die Mauer. Zwar bemerkte das Postenpaar auf dem benachbarten Beobachtungsturm noch das Fahrzeug, aber beide Grenzer brachten die Schusswaffe nicht mehr zum Einsatz. Der Flüchtling war damals 34 Jahre alt. 30 Jahre nach der Flucht schenkte er die Jacke, die er bei Flucht getragen und danach aufbewahrt hatte, dem Museum.
Museumsverband Thüringen e.V.
Orte und Menschen
Friedrich-Fröbel-Museum
Bad Blankenburg
Mitte 19. Jahrhundert
Erste Spielgabe
Bei der von Friedrich Wilhelm August Fröbels (1782-1852) entwickelten „Ersten Spielgabe“ handelt es sich um einen Satz von Bällen an einer Schnur – jeweils gerade so groß, dass eine Kleinkinderhand das Einzelstück gut greifen kann. Die Bälle sind in den Farben des Regenbogens gefertigt und wurden in einem Kästchen mit Stäben zur Aufhängung ausgeliefert. Bereits 1839 hatte Fröbel im „Haus über dem Keller“ in Bad Blankenburg den ersten Kindergarten der Welt als „Spiel- und Beschäftigungsanstalt“ gegründet. Hier erprobte er mit Kindern aus dem Ort die von ihm entwickelten Spielmaterialien. Er empfahl ab dem dritten oder vierten Lebensmonat das Spiel mit der Kugelform. Ebenfalls 1844 veröffentlichte er ein Büchlein mit 100 Ballliedern, in dem er den Ball als den „bleibend liebsten Spielgenossen“ bezeichnete – was für ein Prophet!
Orte und Menschen
Stadtmuseum Weimar
Weimar
Anfang 19. Jahrhundert
Gästebuch des Gasthauses „Zum Weißen Schwan“ in Weimar
Schon Goethe hat gern seine Gäste im „Gasthaus zum Weißen Schwan“ am Frauenplan untergebracht. Diese traditionsreiche Stätte wurde auch von vielen Abgeordneten während der Tagung der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung 1919 aufgesucht. Das extra aus diesem Anlass von Inhaber Karl Ziege neu angelegte Gästebuch, unter anderem mit Einträgen von Gustav Stresemann und Gustav Noske, beginnt mit folgendem Eintrag: „Von Berlin geflüchtet, haben wir hier // eine sichere trauliche Stätte gefunden. // Mögen dem schönen Weimar und unse- // rem lieben Vaterland bald bessere // Tage werden! // Weimar 30/III 1919 // Fehrenbach // Präsident der National-Versammlung.“ Politiker aller Couleur tafelten hier nach getaner Arbeit, die darin bestand, in Rekordzeit eine Verfassung zu erarbeiten – für die erste deutsche Republik.
Orte und Menschen
Museum Schloss Heringen
Heringen/Helme
5350-5000 v. Chr.
Siebgefäß (Fragment)
Scherben aus frühen Kulturen sind so selten nicht, aber eine mit Löchern? Diese stammt aus dem mutmaßlich ältesten Dorf Thüringens, einer Siedlung der Linienbandkeramik, und ist über 7.000 Jahre alt. Das Keramikfragment dürfte von einer Art Siebgefäß stammen und könnte ein Zeugnis frühester Milchveredlung sein. Gesäuerte Milch konnte man in einem solchen Gefäß „dicklegen“, also die Eiweißbestandteile von der Molke trennen. Im Ergebnis erhielt man eine Art Frischkäse, der bei weiterer Reifung heutigem Rohmilchkäse vielleicht nicht unähnlich war. Eine Frühform des Harzer Rollers? Wie er auch ausgesehen und geschmeckt haben mag: Das fermentierte und damit verträglichere Milchprodukt dürfte für die Ernährung wichtig gewesen sein, denn unter den jungsteinzeitlichen Menschen war die Laktoseintoleranz noch weit verbreitet.
Orte und Menschen
Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz
Greiz
2006
Vorsicht! Wir sind hier in einem sehr kleinen Bundesland!
Barbara Henniger, geboren 1938 in Dresden, ist die bekannteste ostdeutsche Karikaturistin. Sie begann nach dem Abitur ein Architekturstudium, das sie nach kurzer Zeit erfolgreich abbrach. Während der Studienzeit entstanden bereits erste Karikaturen für das Sächsische Tageblatt in Dresden. Von 1959 bis 1967 arbeitete sie dort als Journalistin, Redakteurin und Illustratorin. Seither ist Barbara Henniger als freischaffende Karikaturistin tätig und veröffentlicht auch heute noch regelmäßig im Eulenspiegel. Das Blatt wurde 2009 auf der 6. Triennale des Satiricums zum Thema „Im Dschungel der Kleinstadt“ gezeigt und als eines von zehn ausgestellten Werken für die Greizer Karikaturensammlung angekauft. Die 1975 gegründete Spezialsammlung umfasst heute mehr als 10.000 Werke, wobei die Sammeltätigkeit seit 1990 auf den gesamten deutschsprachigen Raum ausgedehnt wurde.
Orte und Menschen
Schloss Altenstein
Bad Liebenstein
1894
Brahms-Autograph der Sonate für Klarinette und Klavier op. 120
Der kleine Zettel mit den neun selbst gezogenen Notenzeilen kennzeichnet eine der fruchtbarsten Beziehungen zwischen zwei Musikern im ausgehenden 19. Jahrhundert. Der eine war der Komponist Johannes Brahms, der andere der Klarinettist Richard Mühlfeld. Und beide hatten im Meininger Theaterherzog Georg II. und seiner Frau bewunderer. Im Sommer 1894 hatte Brahms seine Sonate in Bad Ischl entworfen. Im Herbst hörte Helene Freifrau von Heldburg das Stück in Berchtesgaden zum ersten Mal, um dann kurz darauf mit ihrem Gemahl den Komponisten und seinen Klarinettisten auf Schloss Altenstein zu einem Konzert zu begrüßen. Der Autograph gibt aber nicht nur Brahms offenbar zügig entwickeltes musikalisches Sonatenmotiv zu erkennen, sondern auch die besondere Wertschätzung Mühlfelds als Meister seines Instruments, denn ihm widmete er die Komposition in „herzlich dankbarer Erinnerung“.
Orte und Menschen
Besucherbergwerk "Vereinigte Reviere Kamsdorf"
Unterwellenborn
Anfang 1950er Jahre
Statue „Fritz Heichel“
Eine Geraer Künstlerin hat das Standbild Anfang der 1950er-Jahre im Auftrag des VEB Maxhütte Unterwellenborn modelliert. Ihr Name ist bis heute noch nicht wieder ermittelt, dagegen gut bekannt ist der Name des Mannes, der Modell dafür stand – der Lehrausbilder Fritz Heichel. Diese bis heute nachwirkende Tatsache illustriert die Entstehungszeit, in der oft die künstlerische Hand hinter das Motiv des Arbeiters zurücktrat. Mit der rhetorischen Frage „Ich bin Bergmann, wer ist mehr?“ stärkte Otto Grotewohl das Selbstbewusstsein der ostdeutschen Kumpel, und dies nicht ohne Grund: Ohne Kohle und Stahl wäre der Wiederaufbau im Osten Deutschlands zum Scheitern verurteilt gewesen. So war es natürlich auch kein Zufall, dass das Standbild vor einem neu erbauten Lehrlingswohnheim aufgestellt wurde, in dem 400 bis 500 angehende „Knappen“ untergebracht waren und in ihrer Berufsausbildung das Arbeitsethos stolzer Bergmänner entwickeln sollten.
Innovation und Technik
Keramik-Museum Bürgel
Bürgel
um 1906
Teekanne nach Henry van de Velde
1906 präsentierte die Bürgeler Ton- und Majolikawarenfabrik Max Neumanns (1861-1907) auf der Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden ein „Kaffee- und Teeservice in Bauern-Majolika“ nach Entwürfen Henry van de Veldes (1863-1957). Der belgische Jugendstilkünstler lieferte als Beauftragter für das Kunstgewerbe im Großherzogtum Sachsen-Weimar ab 1904 Entwürfe für die Bürgeler Keramik-Fabrikanten. Mit seiner Hilfe überwand die Töpferei eine Krise und erwarb internationale Anerkennung. Das Engobedekor mit weißen Punkten auf blauen Grund ist in Bürgel ab dem Ende des 19. Jahrhunderts neben anderen Malhörnchen-Dekoren belegt. Van de Velde griff es auf und ebnete damit dem späteren Markenzeichen der Bürgeler Keramik den Weg. Bis heute kombinieren die örtlichen Werkstätten Varianten des Blauweiß-Dekors mit modernen und traditionellen Formen.
Orte und Menschen
Lindenau-Museum Altenburg
Altenburg
1974
Das sind die Wege wurzelentlang
Gerhard Ströch (1926-1989) war einer der wichtigsten deutschen Künstler im 20. Jahrhundert. Doch unter diesem Namen kennt ihn kaum jemand. Verwurzelt in seiner Heimat gab er sich Mitte der 1950er-Jahre den Nachnamen Altenbourg als Verweis auf die Stadt, in der er fast sein ganzes Leben verbrachte. Auf Spaziergängen bei Tage und in der Nacht zur geliebten Altenburger Hellwiese fühlte er sich eins mit der Natur, mit der Landschaft, in der er lebte. Der Holzschnitt gibt ober- und unterirdisch einige der Thüringischen Gegenden wieder, die er durchstreifte und aus denen er Kraft schöpfte. Filigran geschwungene Linien, zwischen denen Bäume aufragen, markieren Wege, Wurzeln, Sedimente, Hügel – oder auch Maulwurfgänge? Getragen von seiner Einbettung im Heimischen sprechen Altenbourgs Bilder eine Weltsprache, in der Himmel und Erde, Antike und fernöstliche Philosophie zusammenfinden.
Orte und Menschen
Keramik-Museum Bürgel
Dornburg/Saale (Ortsteil)
um 1923
Kakao-Kanne
Otto Lindig (1895-1966) war die prägende Persönlichkeit in den ersten 25 Jahren der ab 1919 im Dornburger Marstall eingerichteten Keramik-Werkstatt – zunächst als leitender Geselle der Bauhaus-Töpferei, dann als Werkstattleiter für die Bauhochschule und danach als selbstständiger Töpfermeister. Die Kanne „L16“ stellt einen Höhepunkt in der Keramik des Bauhauses dar. Sie steht für die von Walter Gropius geforderte Weiterentwicklung des Bauhauses von der Verbindung aus Kunst und Handwerk hin zur Formgestaltung mit Blick auf industrielle Fertigungsmethoden. Seinen später als Nummer 16 gezählten Entwurf der Bauhaus-Zeit bezeichnete Lindig selbst als das Beste, was er hierfür gemacht habe. Die organische Form verkörpert eine andere, nicht geometrische Richtung der Bauhaus-Ästhetik. Funktionsorientiert und dennoch markant entwickelt die Kanne eine schlichte, zeitlose Schönheit.
Orte und Menschen
Klassik Stiftung Weimar: Goethe-Nationalmuseum
Weimar
um 1816
Dornburger Coelestine
Über Jahrzehnte baute sich Goethe seine mineralogisch-geologische Sammlung auf. Davon erhoffte er sich Aufschlüsse über das größte aller Themen: die Entstehung der Erde. Da er ungern wieder etwas abgab, war es ein Glücksfall, dass er über Coelestine aus der Umgebung von Dornburg verfügen konnte. Die Steine, die er selbst um 1816 auf den dortigen Äckern gesammelt hatte, setzte er als Tauschobjekt für andere Mineralien ein. Erst 1797 als strontiumhaltiges Sulfat klassifiziert, erhielt es ein Jahr später von dem mit Goethe befreundeten Geologen Abraham Gottlob Werner (1749-1817) wegen der oft himmelblauen Farbe den heute gültigen Namen. Und Goethe war auf dem neuesten Stand, da er seine Funde korrekt als „Cölestin von Dornburg an der Saale 3 Stunden v. Jena“ etikettierte. Etwa 20 Coelestine sind in seiner Sammlung erhalten, die meisten davon aus Dornburg.
Orte und Menschen
Kunstsammlung Gera / Orangerie
Gera
1913
Selbstbildnis Otto Dix als Raucher
Unter den Exponaten des Otto-Dix-Hauses bildet das „Selbstbildnis als Raucher“ einen besonderen Höhepunkt. Mit furiosen Pinselschlägen stellte sich der Proletariersohn Otto Dix (1891-1969) dar. Das Brustbild von der Seite spiegelt Vitalität ebenso wider wie prüfendes Hinterfragen. Dabei hatte der damals 22-jährige Kunstgewerbeschüler gehöriges Selbstbewusstsein – er schaut Betrachtende bzw. sich selbst im Spiegel direkt an. Deutlich wird der Einfluss, welchen die Vincent-van-Gogh-Ausstellung bei ihm hinterließ, die er 1912 in Dresden besucht hatte. Auf dieses Jahr ist das Gemälde auch datiert. Tatsächlich kann es aber frühestens 1913 vollendet worden sein, denn die im Hintergrund erkennbare Atelierwand zeigt einige Dix-Gemälde, die nachweislich aus dem Jahr 1913 stammen. Signatur und Datierung sind demnach nachträglich durch den Künstler vorgenommen worden.
Orte und Menschen
Stadtmuseum Gera
Gera
um/nach 1623
Epitaph des Nicolaus de Smit (Fragment)
1595 ließ sich der Kaufmann Nicolaus de Smit (1541-1623) in Gera nieder. Er stammte aus den calvinistischen Niederlanden. Sein Gewerbe: Herstellung und Handel von Zeugwaren, also von leichten Stoffen aus gekämmter Schafwolle. Alteingesessenen Tuchmachern musste der Zuwanderer als unliebsamer Konkurrent erscheinen, wobei man gegen ihn auch wegen seines Glaubens vorging. Doch der reußische Landesherr Heinrich Posthumus schützte einen seiner besten Steuerzahler. De Smits Stoffe waren feiner verarbeitet und anders – nach mitgebrachten Rezepturen – gefärbt. Seine Manufaktur bildete so einen Ausgangspunkt für den Aufschwung der Zeugwirkerei in der Stadt. Der Niederländer steht damit am Anfang der Entwicklung Geras zu einem Zentrum der Textilindustrie. Auch wenn nur fragmentarisch erhalten, bezeugt das wappengeschmückte Epitaph das Selbstbewusstsein des bürgerlichen Unternehmers.
Orte und Menschen
Literaturmuseum "Theodor Storm" Heiligenstadt
Heilbad Heiligenstadt
1861
Bildnis Theodor Storm, sitzend
So klein und doch der größte Schatz des Museums: eine Zeichnung von Ludwig Pietsch (1824-1911) aus dem Jahr 1861, die Theodor Storm lesend auf einer Bank in Heiligenstadt zeigt. Storm fügte persönlich eine Gedichtzeile Eduard Mörikes ein: „Denn du bist ja der sichere Mann mit den wackeren Stiefeln.“ Storm erinnerte sich 1875 in einem Brief an die Begegnung: „Weißt Du noch – hinten in der kleinen Gaststube an dem langen Korridor; die Sonne schien herein, wir tranken Kaffee; Du zeichnetest; ich las Mörikes ‚Idylle am Bodensee‘ vor.“ Wie kaum ein anderes Exponat bringt die Zeichnung Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts mit Heiligenstadt zusammen. Der Brief erklärt den Autografen des Dichters und das fein gezeichnete Bildnis stammt nicht nur von einem begabten Künstler, sondern zugleich auch von einem der bekanntesten Feuilletonisten der Zeit.
Orte und Menschen
Stadtmuseum Hildburghausen
Hildburghausen
1840 - 1855
Das „Große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände“
Das „Große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände“, auf der ganzen Welt als „Meyers Lexikon“ bekannt, in seiner ersten Ausgabe mit seinen 46 regulären und sechs Supplement-Bänden auch „Wunder-Meyer“ oder „Jahrhundertlexikon“ genannt, machte den 1826 in Gotha gegründeten und 1828 nach Hildburghausen umgesiedelten Verlag „Bibliographisches Institut“ des Carl Joseph Meyer (1796-1856) weltweit bekannt, und der damals erworbene Ruhm des Verlages dauert bis heute an, obwohl der Verlag längst mit anderen Unternehmen verschmolzen ist. Das Konversationslexikon erschien zwischen 1840 und 1855, dies bedeutet, dass sich Subskribenten seinerzeit anderthalb Jahrzehnte gedulden mussten, bis die Lexikonausgabe endlich komplett war. Vier Redaktionen mit insgesamt einhundertzwanzig Mitarbeitern trugen das im Lexikon enthaltene Wissen zusammen.
Orte und Menschen
Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden
Hohenfelden
1604 - 1604
Wohnstallhaus Hoyer aus Gügleben
Das Wohnstallhaus der Familie Hoyer/Näther ist eines der ältesten Häuser, das in das Thüringer Freilichtmuseum umgesetzt wurde, und eines der bauhistorisch bedeutsamsten im ländlichen Mittelthüringen. Die damaligen Erbauer gehörten zur Oberschicht des Dorfes und waren sehr wohlhabende Landwirte, was an Süd- und Westseite des Hauses durch das schmückende Fachwerk mit zwei Thüringer Leitern und weiteren Verzierungen gezeigt wurde. Auch die Bohlenstube zeugt vom Reichtum der Familie. In der Zeit um 1900 planten die Eigentümer zweimal, das Haus abzureißen und ein modernes Wohngebäude mit allem Komfort zu bauen. Zu Glück kam es anders. Nach dem behutsamen Abbau und der originalgetreuen Wiedererrichtung kann das Haus nun von jährlich Tausenden Gästen im Museum erlebt werden.
Orte und Menschen
Städtische Museen Jena: Literaturmuseum Romantikerhaus
Jena
1852
Kreuzgang im Kloster Walkenried
Ein morbides Kreuzgewölbe, der Blick auf die Ruine eines Kirchenchores, ebenso gotisch, dazu verschneite Eichen vor einem wolkenverhangenen Himmel, ein schiefes Grabkreuz – das kann einem bekannt vorkommen. Richtig, von Bildern Caspar David Friedrichs, dem Erfinder der romantischen Ruinenlandschaft. Doch das vorliegende Gemälde stammt von Wilhelm Steuerwaldt (1815-1871) und wurde mehr als eine Generation später gemalt. Im Harz fand der Maler seine bevorzugte Motivwelt in der Klosterruine von Walkenried. Doch viele kleine Wahrheiten sind zu einer großen Illusion zusammengefügt, um noch „romantischer“ zu sein als die Erfinder der Romantik. Fein gemalte Mittelaltersehnsucht mündet hier in einem retrospektiven Spaziergang durch eine Scheinwelt. Doch in einem Punkt ist der Maler ehrlich: Diese untergegangene Welt ist inzwischen das Ziel von Entdeckungsreisenden geworden.
Orte und Menschen
Thüringer Schieferpark und Technisches Denkmal Lehesten
Lehesten (Thüringer Wald)
um 1890
Werbetafel für Dachschiefer aus Lehesten
Der Schieferbergbau bei Lehesten ist seit über 700 Jahren belegt. Das über 100 Hektar große Bergbauareal überstand manchen Eigentümerwechsel – bis zur Einstellung des Abbaus im Jahr 1999. Neben Dach- und Wandschiefer wurde hier das Material für Tausende von Schiefertafeln für den Schulgebrauch gewonnen. Doch wie wirbt man am besten für die Verwendung von Schiefer? Mit dem Material selbst und damit, dass man sein Erscheinungsbild kunstvoll betont. Die Tafel ist aus einem Stück gefertigt, die „Marmoreinfassung“ nur aufgemalt. Doch als krönendes Zentrum des an sich teureren Marmors erscheint der Schiefer in seiner blau-schwarzen Feierlichkeit und als Träger einer fein ausgeführten Inschrift. Die Tafel stammt aus der Blütezeit des Thüringer Schieferbergbaus, als es in den Brüchen um Lehesten über 2.500 Beschäftige gab.
Museumsverband Thüringen e.V.
Mensch und Tier
Brehm-Gedenkstätte Renthendorf
Renthendorf
25.07.1876
Standpräparat eines Raufußbussards
1876 wurde Alfred Edmund Brehm (1829-1884), damals schon als Autor des nach ihm benannten „Thierlebens“ weithin bekannt, zu einer Forschungsreise nach Sibirien und Kasachstan eingeladen. Auf der neunmonatigen Reise konnte der Zoologe viele neue Erkenntnisse gewinnen. Zu den mitgebrachten Zeugnissen gehörte ein männlicher Raufußbussard aus der Tundra, den Brehm im nördlichsten Teil seiner Expedition an der Schutscha, einem Zufluss des Ob, erlegt hatte. Noch vor Ort so präpariert, wie es ihn sein Vater, der „Vogelpastor“, 40 Jahre zuvor gelehrt hatte, konnte der Balg dann in der Heimat zu einem dauerhaften Präparat gestaltet werden, das bis heute im Museum zu sehen ist. Der Raufussbussard erinnert an die großen Forschungsreisen im 19. Jahrhundert – er ist unter den eigenen Präparaten Brehms das mit der weitesten „Anreise“ und dadurch sein berühmtester Vogel.
Mensch und Tier
Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg Sch
Schleusingen
Schädelfragment des Onchiodon thuringiensis Werneburg
Der Fund von Manebach erwies sich als eine Sensation, handelte es sich doch um das größte Saurierskelett aus dem Perm in Thüringen. Neben dem knapp 30 cm langen Schädel (Schädeldach und Gaumen samt Unterkiefer-Ästen) wurden auch diverse Wirbel, Rippen, Schulter- und Beckengürtel-Knochen, einzelne Gliedmaßen-Knochen sowie knöcherne Bauchschuppen geborgen. Wissenschaftlich gehört der Saurier mit dem krokodilartigen Habitus zu den temnospondylen Amphibien („Schnittwirbler“) und hat Verwandte in der ganzen Welt, die engsten bisher bekannten in Sachsen, Texas und New Mexico. Aber dieser „echte Thüringer“ hat seine Besonderheiten, weswegen er auf Grund seines Vorkommens im heutigen Thüringen als eigene Art beschrieben wurde. So ist er mit über anderthalb Metern Länge der größte Vertreter seiner Familie in ganz Europa während des Perm und hat vorwiegend an Land gelebt.
Mensch und Tier
Thüringer Apothekenmuseum im “Haus Rosenthal”
Bad Langensalza
3. Viertel 19. Jahrhundert
Homöopathische Hausapotheke
Friedrich August Günther (1802-1865), geboren in Gotha, gründete in Langensalza in den 1850er-Jahren eine Fabrik für homöopathische Arzneimittel gegen Krankheiten bei Mensch und Tier. Zuvor hatte er durch mehrbändige Veröffentlichungen zur homöopathischen Tierheilkunde auf sich aufmerksam gemacht und einen größeren Interessentenkreis gefunden. Günther gehörte damit zu den Ersten, die das homöopathische Prinzip in die Veterinärmedizin einführten. Den Erfolg als Buchautor verband er geschickt mit den Aktivitäten als Unternehmer. Die „Homöopathische Hausapotheke“ ist ein Beispiel dafür. In fünf verschiedenen Größen mit bis zu 278 flüssigen Arzneien hergestellt, wurde sie vor allem über den Buchhandel vertrieben, denn in seinen immer wieder aufgelegten Büchern wurden er und später sein Sohn nicht müde, auf die Hausapotheke als „nothwendige Zugabe“ hinzuweisen.
Sakrales und Profanes
Museum Schloß Burgk
Burgk
1624 - 1925
Burgker Bornkinnel
Bornkinnel sind seit dem 14. Jahrhundert insbesondere im Erzgebirge und im Vogtland bekannt. Es handelt sich um plastische Darstellungen des neugeborenen, segnenden Christuskindes, die vom 1. Advent bis Hohe Neujahr (6. Januar) auf dem Altar präsentiert wurden. Immer wieder neu wurde die nackte Figur mit Kleidung ausgestattet – oft gefertigt von den „Bräuten des Jahres“. Der Brauch verdeutlichte Christi Geburt in Bedürftigkeit und steht schon früh für das weihnachtliche Beschenken von Kindern. Stilistische Analogien zu den Schnitzereien in der Schlosskapelle und der Schleizer Bergkirche verweisen auf den Bildschnitzer Hans Balbierer als Künstler. Das Burgker Bornkinnel ist komplett mit gleich mehreren zeitgenössischen Gewändern erhalten und stellt damit eine Seltenheit dar. Brokatstickereien und feine Besätze zieren die Gewänder, die über ein weißes Hemdchen gezogen wurden.
Mensch und Tier
Naturkundemuseum Erfurt
Erfurt
2004
Rekonstruktion eines Dodos (Raphus cucullatus L., 1758)
In keinem Museum der Welt gibt es das Präparat eines Dodos. Von dem einst auf Mauritius lebenden flugunfähigen Taubenvogel sind nur wenige Skelettteile überliefert, dazu einige bildliche Darstellungen. 1507 wurde er entdeckt, 170 Jahre später war er ausgerottet – verspeist von Schiffsbesatzungen. Der Präparator des Naturkundemuseums in Erfurt benötigte ein Jahr und viele morphologisch ähnliche Federn vom Ohrfasan, um das Werk zu vollenden. Der „Erfurter Dodo“ gilt als die wissenschaftlich fundierteste Rekonstruktion, die über einen regen Austausch mit naturkundlichen Museen und Bibliotheken im In- und Ausland abgesichert wurde. Als Exponat steht der Dodo heute in der Artenschutz-Dauerausstellung als Sinnbild für einen unwiederbringlichen Verlust.
Mensch und Tier
Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg
Altenburg
um 1843
Präparate australischer Vögel
Während es Christian Ludwig Brehm die heimische Vogelwelt angetan hatte, beschaffte sich die Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg Präparate vom anderen Ende der Welt – aus Australien. Dafür gewann man mit Christian Gottlob Teichelmann (1807-1888) und Clamor Wilhelm Schürmann (1815-1893) zwei Missionare, denen man in Dresden die Ordination verweigert hatte. Herzogliche Beamte konnten jedoch die Ordination in Altenburg bewirken, so dass beide 1838 nach Australien zogen, nicht ohne zuvor von Altenburger Naturforschern darin geschult zu sein, wie man Vögel ab balgt und deren Häute für eine lange Reise haltbar macht. Die beiden Missionare erwiesen sich dankbar: 1843 erreichte Altenburg eine große Anzahl von Sammlungsgegenständen, darunter Präparate von 336 Vögeln, mehreren Säugetieren, Reptilien und Insekten.
Mensch und Tier
Stadtmuseum Pößneck
Pößneck
17. Jahrhundert
Skelett eines Pferdes mit Beigaben
Bauarbeiten für das Museum642 im Jahr 2009 ermöglichten einen besonderen archäologischen Fund – das Skelett eines Arbeitspferdes. Die Lage über einem mittelalterlichen Keller und die beiliegenden Hufeisen erlauben eine Datierung ins 17. Jahrhundert. Doch warum begrub man ein Pferd notdürftig bei einem Wohnhaus? Möglicherweise wurden die Besitzer allesamt Opfer der 1625 wütenden Pest und konnten sich nicht mehr um das im Stall stehende Pferd kümmern, sodass das Tier verenden musste. Später entdeckt, wurde der Kadaver an Ort und Stelle in einer flachen Grube beerdigt, wofür wohl auch eine Vorderhand abgetrennt wurde. Doch so tragisch die Umstände des Todes gewesen sein mögen, die museale Nutzung des Fundortes erlaubt eine einmalige Präsentation am Ausgrabungsort selbst, nämlich über den Köpfen der Besucher. So entstand der „Pößnecker Pferdehimmel“.
Mensch und Tier
Hennebergisches Museum Kloster Veßra
Kloster Veßra
1716, Anbau 1757
Fachwerkhaus aus Eicha
Das über 300 Jahre alte Wohnhaus mit einer u-förmigen Hofanlage ließ der wohlhabende Pferdehändler Ernst Rosteuscher erbauen. Sein Name und auch das Baujahr sind in das Eingangsportal eingeschnitzt. Die prunkvolle Fassadengestaltung mit der Verzierung der Fachwerkbalken durch reiche Schnitzereien und die farbig gestalteten Fensterläden unterstreichen den wirtschaftlichen Erfolg des Bauherrn. Eine Generation später – Mitte des 18. Jahrhunderts – wurde die sogenannte Fränkische Laube, ein hofseitiger Laubengang, angefügt. Bemerkenswert ist, dass für das Großvieh und damit auch die „Ware“ des Pferdehändlers der Stall mit als Teil des Wohnhauses errichtet wurde. Schweine und das Kleinvieh brachte man in Nebengebäuden des Hofes unter. Die heute beim Haus stehenden Stallungen beherbergen die Museumstiere: Gabi, Klaus, Moni und Lotte!
Mensch und Tier
Stiftung Schloß Friedenstein Gotha: Museum der Nat
Gotha
Fossilien des Seymouria sanjuanensis
Eine der interessantesten Versteinerungen vergangenen Lebens ist das „Tambacher Liebespaar“. Dieser Name bezieht sich auf das berühmte Gemälde „Gothaer Liebespaar“, weil sich bei diesem Fossil gleich zwei Skelette der Tierart Seymouria sanjuanensis eng aneinander liegend erhalten haben. Diese Amphibien lebten vor 290 Millionen Jahren und sind vermutlich während einer Überschwemmung umgekommen. Die Körper blieben eher zufällig, vielleicht durch Wasserströmungen getrieben, an der gleichen Stelle liegen und wurden schnell von frischem Schlamm zugedeckt. Die Skelette stammen aus einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten Thüringens, die auch internationale Bedeutung hat. Da Funde derselben Art auch aus Nordamerika bekannt sind, gilt diese Entdeckung als ein Beweis dafür, dass Europa und Nordamerika damals miteinander verbunden waren.
Mensch und Tier
Museum für Naturkunde Gera
Gera
Graptolithenplatte
Warum sich der Hobby-Geologe und Fossiliensammler Rudolf Hundt (1889-1961) als „canis miserabilis gerensis“ – „elender Geraer Hund“ – bezeichnete, ist im Naturkundemuseum nicht überliefert. Wofür er sich aber begeisterte, weiß man sehr gut: Er trug eine Sammlung von über 40.000 Grapholithen zusammen. Diese Fossilien haben ihren Namen nach den Bildern erhalten, die uns wie Hieroglyphen oder bildhafte Zeichen vorkommen, tatsächlich aber von maritim lebenden Organismen stammen. Die winzig kleinen, wirbellosen Lebewesen bildeten eigentümlich geformte Kolonien, deren „Bilder“ sich häufig als fossile Reste in Schieferplatten finden lassen. Einige der interessantesten, wie „seine" hier abgebildete Nummer 16348, fand Hundt im Weinbergbruch bei Hohenleuben.
Museumsverband Thüringen e.V.
Sakrales und Profanes
Panorama Museum Bad Frankenhausen
Bad Frankenhausen
1978
Ende der Narrengerichtsbarkeit
Mehr als elf Jahre, von 1976 bis 1987, hat Werner Tübke (1929-2004) an seinem monumentalen Panorama zur Geschichte von Reformation und Bauernkrieg gearbeitet. Im Umfeld dazu entstand 1978 auch dieses Tafelbild. Narrengerichte waren Teil der Fastnachtsbräuche. Als satirische Form der Volksjustiz boten sie die Möglichkeit, ungestraft manche Wahrheit zu sagen und Missstände öffentlich anzuprangern. Friedrich Wolf sah darin gar den Auftakt zur Erhebung des „Armen Konrad“ (1514). Tübke inszenierte sein Narrengericht gleich einem Mysterienspiel als altmeisterliches Bühnenstück. Vor der Kulisse des Monte Rosa mit der römischen Brücke am Eingang des Aostatals steht der Künstler, Opfer von Falschheit und Intrige, als Narrenvogt am Kreuz, während einem erleuchteten Märtyrer der Aufstand verkündigt wird.
Sakrales und Profanes
Heimatmuseum Heilbad Heiligenstadt
Heilbad Heiligenstadt
1606
Reliquienschrein
Nach der Reformation förderte der Jesuitenorden auch im Eichsfeld sinnliche Formen der Glaubensvermittlung. Neben glanzvollen Prozessionen, opulenten Theateraufführungen oder öffentlichen Selbstkasteiungen wurden Artefakte der Kirchenausstattungen durch reizvolle Gestaltungen in neuer Weise ansprechend gemacht. Ein Jesuitenbruder war es auch, der den überkommenen Reliquienschrein der Heiligenstädter Marienkirche mit verschiedenfarbigen Stoffen, Perlen- und Brokatstickereien ausstattete und damit der Sammlung von Knochen- und Schädelreliquien eine neue Ausstrahlung verlieh. Wie bei einem Altar dienten die Flügel dem Öffnen und Schließen des Schreins, wobei der Anblick auf bestimmte Tage beschränkt wurde. Ist die Öffnung schon als besonderes Zeremoniell vorstellbar, so musste allein vom seltenen Anblick eine besondere Aura ausgehen.
Sakrales und Profanes
Museum Schloss Wilhelmsburg
Schmalkalden
um 1521
Schützenketten der Schmalkalder Armbrustschützen und Feuerschützen
Die Schmalkalder Schützengilden genossen in der Stadt eine bevorzugte Stellung. Sowohl die Stadtobrigkeit als auch die Landesherren, die Landgrafen von Hessen und die Grafen von Henneberg, benötigten eine in Waffen geübte Bürgerschaft. Die wehrfähigen, in spezialisierten Gilden organisierten Männer schützten die Stadt bei feindlichen Angriffen, konnten aber auch zum Dienst im Heer des Landesfürsten herangezogen werden. Und schon im 16. Jahrhundert wurden Schützenfeste als Zeichen der Wertschätzung veranstaltet. Der hessische Landgraf Philipp (1504-1567) dürfte 1521 Gast eines solchen Festes in Schmalkalden gewesen sein. Er brachte zwei Geschenke mit: jeweils eine silberne Schützenkette für die Gilde der Armbrustschützen und die der Feuerschützen. Bis ins 19. Jahrhundert gab es in der Stadt eine Bürgergarde, die aus den einstigen Schützengilden hervorgegangen war.
Sakrales und Profanes
Lindenau-Museum Altenburg
Altenburg
um 1470
Anbetung der Heiligen Drei Könige
Unter den 180 italienischen Bildtafeln des Lindenau-Museums befindet sich auch Michele di Michele Ciampantis (nachweisbar 1463-1511) „Anbetung“. Im Florenz der Medici liebte man die Geschichte um die drei Weisen aus dem Morgenland, da sie Gelegenheit für die Darstellung prunkvoll ausstaffierter exotischer Motive bot. So gleicht der biblische Stall der Geburt eher einer Prachtarchitektur, und die Anbetungsszene gehört zum Aufmarsch eines ganzen Hofstaates. Der Renaissance-Maler hat sich bis in Details am Strozzi-Altar Gentile da Fabrianos orientiert (1423, Uffizien). Doch es gibt auch Änderungen. Am auffälligsten sind die reich behangenen Granatapfelbäume, deren exotische Früchte als christliche Symbole beispielsweise für die Gnadenfülle Gottes stehen. Doch ein für den Nahen Osten typisches Motiv übernahm Ciampanti sonderbarerweise nicht: Das Kamel des Strozzi-Altars wurde durch ein Pferd ersetzt.
Sakrales und Profanes
Regionalmuseum Bad Frankenhausen
Bad Frankenhausen
-5400 - -1800
Tonrassel
Das neolithische Fundstück aus dem Kyffhäuserkreis gilt als die älteste Tonrassel Mitteleuropas. Die Fachbezeichnung „Keramophon“ verweist auf die Klangerzeugung mittels gebranntem Ton. Doch diese Eigenschaft ist dem becherförmigen Gefäß nicht gleich anzusehen. Der hohle Standfuß beinhaltet vier Kiesel, die beim Schütteln ein spezifisches Geräusch erzeugen. Dabei dient die gewölbte Becherwand als verstärkender Resonanzkörper. Der bandkeramische Töpfer verstand sein Handwerk, denn es bedurfte einiger Erfahrung, die Kiesel in den noch rohen Ton so einzulegen, dass sie beim Brennen nicht „anbacken“. Doch wozu die besondere Ausstattung? Handelte es sich um ein besonderes Trinkgefäß, das die Geräuschkulisse zum Gelage lieferte? Wohl kaum. Experten sehen darin ein Musikinstrument – etwa zu rituellem Gebrauch.
Sakrales und Profanes
Museum Alte Synagoge Erfurt
Erfurt
1. Hälfte 14. Jahrhundert
Jüdischer Hochzeitsring
Unter mehr als 700 erhaltenen gotischen Goldschmiedearbeiten sticht der Hochzeitsring aus dem frühen 14. Jahrhundert als einziges jüdisches Objekt hervor. Er trägt die hebräische Inschrift MAZAL TOV (Viel Glück) und hat einen Bezug zum Hochzeitsritus: Während der Zeremonie wurde der Ring vom Bräutigam der Braut angesteckt und ging damit in ihren Besitz über. Aus dem Mittelalter sind neben dem Erfurter Ring nur zwei weitere Hochzeitsringe dieser Art erhalten, alle tragen als Ringkopf ein kleines Miniaturgebäude. Das außergewöhnliche Exponat wurde im ehemaligen jüdischen Quartier im Zentrum der mittelalterlichen Stadt Erfurt als Teil eines Schatzfundes geborgen. Seine Verbergung kann mit dem Pogrom vom 21. März 1349 in Verbindung gebracht werden, bei dem die jüdische Gemeinde in Erfurt ausgelöscht wurde. Als ehemaliger Besitzer kommt der Bankier Kalman von Wiehe in Frage.
Sakrales und Profanes
Städtische Museen Jena
Jena
1385-1390
Pietà
Die Jenaer Pietà gehört dem sogenannten Schönen Stil an, der sich Ende des 14. Jahrhunderts herausbildete. Solche Vesper-Bilder dienten besonders während des vorabendlichen Stundengebets (lat. vespera = Abend) den Gläubigen zur individuellen Andacht. Die auf Nahsicht gearbeiteten Bildwerke förderten die Innigkeit des Gebets durch eine besondere, Mitleid erregende Anschaulichkeit, die durch die farbige Fassung noch gesteigert wurde. Die herausragende Qualität der Jenaer Pietà ließ früh die Frage nach der Herkunft aufkommen. Obgleich bis heute durch naturwissenschaftliche Analysen noch nicht untermauert, verweisen stilistische Vergleiche auf Prag und die Steinmetzen der von Peter Parler (gest. 1399) geleiteten Dombauhütte. Auftraggeber war möglicherweise das örtliche Adelsgeschlecht von Butenitz (Beutnitz), das Verbindungen nach Prag besaß und mehrere Altarstiftungen in der Jenaer Pfarrkirche St. Michael tätigte.
Sakrales und Profanes
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Saalfeld/Saale
1498
Oberpreilipper Annenaltar
Obgleich nicht vollständig erhalten, stellt der Flügelaltar ein herausragendes Zeugnis spätgotischer Bildkunst dar. Auftraggeber waren die Mönche des reich begüterten Saalfelder Benediktinerklosters, das als Keimzelle der Besiedlung und Christianisierung der gesamten Region gelten kann. Wie mehrere in der Region überlieferte Altäre vereinigt das Werk hochwertige Tafelmalerei mit Bildschnitzerei von bemerkenswerter Qualität. Der Rang des Werkes beruht aber nicht allein auf der künstlerischen Qualität, sondern auch auf der erhaltenen Inschrift. Durch ihre Entzifferung konnte die Existenz einer spätmittelalterlichen Bildschnitzerwerkstatt in Saalfeld erstmals nachgewiesen werden. Darauf aufbauende Forschungen haben die Kunstgeschichte Thüringens um ein bedeutendes Zentrum erweitert.
Museumsverband Thüringen e.V.
Innovation und Technik
Metallhandwerksmuseum Steinbach-Hallenberg
Steinbach-Hallenberg
ab 1899
Federglockenkorkenzieher
Im Jahre 2005 ging der von Richard Recknagel (1873-1936) entwickelte Federglockenkorkenzieher auf eine ungewöhnliche Reise. Mit dem kompletten Inventar der kleinen, 100 Jahre alten Fabrik des Erfinders siedelte er in das Museumsgelände über, um fortan in der funktionstüchtigen Schauwerkstatt heute noch bestaunt zu werden. Hier wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedenste Korkenzieher hergestellt – Stangen-, Glocken-, Miniatur-, Harfen-, Bügel- oder Hülsenkorkenzieher. 2 Millionen Stück jährlich verließen in den besten Zeiten Steinbach-Hallenberg. Doch wie funktioniert der Federglockenkorkenzieher, der 1899 als Deutsches Reichsgebrauchsmuster registriert wurde? Ganz einfach: Mit Hilfe einer Steigschraubhülse und der Krätzerspindel wird die Schraubfeder zusammengepresst, die dann den Kork hebt – alles klar?
Innovation und Technik
Museum für Glaskunst Lauscha
Lauscha
um 1870
Musterkasten mit Schalenaugen
Als der Würzburger Augenarzt Heinrich Adelmann (1807-1884) nach besseren Augenprothesen suchte, stieß er auf Puppen aus Lauscha. 1832 konnte er den Glasbläser Ludwig Müller-Uri (1811-1888) für die Herstellung von Glasaugen für Menschen gewinnen. 1835 wurden dann die ersten gelungenen Augenprothesen bei Patienten eingesetzt. Wegen ihrer Qualität wurden sie weltweit immer wieder mit Preisen ausgezeichnet. Die Lauschaer Glasaugen waren nicht nur durch eine eigens entwickelte Technologie äußerst naturalistisch gestaltet, sondern sie konnten gut der Muskulatur des Augapfels angepasst werden, waren gut verträglich und vom gesunden Auge kaum zu unterscheiden. Als Gemeinschaftsentwicklung mehrerer Lauschaer Glasmeister gilt das Kryolithglas. Es verlieh den Glasaugen eine lange Lebensdauer. Der Musterkasten wurde auf Messen und Geschäftsreisen genutzt.
Innovation und Technik
Klassik Stiftung Weimar: Nietzsche-Archiv
Weimar
vor 1882
Skrivekugle (Schreibkugel) aus dem Besitz Friedrich Nietzsches
1865 von dem Dänen Rasmus Malling-Hansen (1835-1890) entwickelt, handelt es sich um die erste serienmäßig hergestellte Schreibmaschine. Als Lehrer an einer Taubstummenschule war Hansen aufgefallen, dass seine Schüler mit der Fingersprache die Lautzeichen auffällig schnell wiedergeben konnten. So kam er auf die Idee der Scrivekugle, bei deren Benutzung man alle zehn Finger einsetzen konnte. Ihren Namen verdankt die Schreibkugel den 54 konzentrisch angeordneten Tasten auf der Oberseite, die das Segment einer Kugel bilden. Friedrich Nietzsche war stark fehlsichtig und kaum mehr in der Lage, seine eigene Schrift zu lesen. Von der Maschine erhoffte er sich ein klares Schriftbild. Daher erwarb Elisabeth Förster-Nietzsche 1882 die Schreibhilfe für ihren Bruder. Weil das „Ding aus Eisen“ aber schnell defekt und zudem kompliziert zu bedienen war, nutzte er es nur etwa sechs Wochen.
Innovation und Technik
Technisches Museum Gesenkschmiede Zella-Mehlis
Zella-Mehlis
1867
Brettfallhammer
Im Zuge der Industrialisierung wuchs der Bedarf an geschmiedeten Eisen- und Stahlteilen. Allerdings war das Schmieden von Hand oder in Hammerwerken hinsichtlich Kosten und Genauigkeit nicht mehr zeitgemäß. Die Lösung brachten Fallhämmer, bei denen der „Bär“, der bewegliche Hammerkopf, senkrecht auf den Amboss bzw. das Werkstück fiel. Zunächst manuell mit Riemenzug über eine Rolle zu hebende Fallhämmer wurden bald durch mechanisch getriebene ersetzt. Grundlegend dafür war ein Patent, das 1861 der amerikanischen Firma Golding & Cheney erteilt wurde. Der bewegliche „Bär“ wurde mit einem zwischen zwei Walzen senkrecht laufenden Hartholzbrett gehoben. Nach Erreichen einer einstellbaren Fallhöhe wurde eine der beiden Walzen vom Brett gehoben und löste damit den Hammerschlag aus. Der Hammerkopf fiel also samt Brett. In Zella-Mehlis ist der älteste Brettfallhammer in Deutschland erhalten.
Innovation und Technik
Museum am Gradierwerk
Bad Salzungen
1913
Inhalationsapparat D.R.G.M. 533824
Viel ist nicht bekannt über den Münchner Apotheker Ronkarz, doch machte er sich auf dem Gebiet der Atemwegsheilkunde verdient. Das war interessant für ein Solebad wie Salzungen. Denn der Kurbetrieb ist an die warme Jahreszeit gebunden, in der die Sole über die Gradierwände geleitet und so die heilsamen Aerosole freigesetzt und eingeatmet werden können. Und im Winter oder nach Kurende? Hier half der Münchner Apotheker mit seinen als Gebrauchsmustern registrierten Inhalationsapparaten. Mittels Tischluftpumpe konnte die Solelösung im Glasgefäß zerstäubt und inhaliert werden – ganz bequem jederzeit zu Hause bei Mund- und Nasenatmung! Die Salzunger Kurdirektion versandte die örtliche Sole handlich abgefüllt in Flaschen für den Hausgebrauch – also auch für die Nutzung in den Ronkarzschen Apparaten. Na dann: Pumpen und atmen, pumpen und atmen…
Innovation und Technik
Museum Burg Ranis
Ranis
Paläolithikum, vor 40.000 Jahren
Blattspitze
Während der letzten Eiszeit, vor etwa 115.000 – 11.600 Jahren, lebten in den Höhlen des Orlatals Gruppen von Jägern und Sammlern. Die Ilsenhöhle unter der Burg Ranis ist europaweit bekannt für die Funde an besonders fein gearbeiteten Steinwerkzeugen. Neben Knochenfunden, die Einblicke in die prähistorische Tier- und Lebensumwelt unserer Vorfahren bieten, bezeugen die menschlichen Artefakte „Spitzentechnologie" in der Steinbearbeitung und weiträumige Wanderbewegungen. Die Feuersteinspitze wurde vermutlich in der Leipziger Tieflandsbucht gefertigt und könnte als Messerklinge oder Speerspitze genutzt worden sein. Die charakteristischen Funde der Ilsenhöhle in Ranis kennzeichnen das allmähliche Verschwinden des Neandertalers und die Verbreitung des modernen Menschen in Mitteldeutschland. In der Fachliteratur wird dieser Übergangshorizont als „Ranisian“ bezeichnet.
Innovation und Technik
Deutsches Schiefermuseum
Steinach
Ende 19. Jahrhundert
„Durchmach“ – Vorrichtung zum Runden von Schiefergriffeln
Bis Ende der 1960er-Jahre wurden in Steinach etwa 30 Milliarden Schiefergriffel hergestellt und in alle Welt geliefert. Legendär sind die 16 Eisenbahnwaggons, in denen 1931 allein dreißig Millionen Stück die Reise nach Indonesien antraten. Weltweit lernten Kinder damit das Schreiben auf Schiefertafeln. Doch der konkurrenzfähige Preis hatte in geringen Löhnen und vor allem in der gesundheitlichen Belastung durch den entstehenden Schieferstaub eine Kehrseite. Erleichterung brachte um 1885 die Erfindung der „Durchmach“ mit dem sogenannten „Kaliber“ durch einen heimischen Schmied. Per Fußpedal wurden nun die kantig vom gesägten Stein abgezwickten Schieferstifte durch eine Öffnung gepresst. Das mühsame Runden mit dem Schabeisen – in der Regel Frauen- oder Kinderarbeit – entfiel. Die gleichmäßig runden Griffel verschiedener Kaliber blieben so über Jahrzehnte weltweit gefragt.
Innovation und Technik
Stadtmuseum in der Beschußanstalt
Zella-Mehlis
1925
Chassis eines Ehrhardt-Automobils
Die Geschichte des Automobilbaus in Zella-Mehlis ist mit dem Namen Ehrhardt verbunden. Vater Heinrich (1840-1928) hatte schon das Eisenacher Fahrzeugwerk mitbegründet, bevor er dann gemeinsam mit dem Sohn Gustav (1868-1945) in seiner Heimatstadt die Ehrhardt Automobil AG ins Leben rief. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Herstellung von großräumigen Wagen der Luxusklasse, die als „Kaiser-Automobile“ geführt wurden. 1922 übernahm der Berliner Karosseriebauer Szawe die Aktienmehrheit, ging aber schon 1924 bankrott. Die anschließend von den Ehrhardts gegründete Pluto Automobilfabrik existierte noch bis 1927. Bei dem erhaltenen Chassis handelt es sich wahrscheinlich um eines der letzten, das in Zella-Mehlis gefertigt wurde. Der 6-Zylinder-Motor erzeugte 60 PS – stark genug, um dieses Chassis 1932 zu einem Kleinomnibus für 16 Fahrgäste umzubauen.
Innovation und Technik
Thüringer Museum für Elektrotechnik
Erfurt
ab 1959
Taschenradio „Sternchen“
In Thüringen war die Rundfunkindustrie über 45 Jahre ein strukturbestimmender Industriezweig. Der VEB Stern-Radio Sonneberg war größter Hersteller von Radiogeräten in der DDR. Hier wurde, dem internationalen Trend folgend, nach einjähriger Entwicklungszeit, ab 1959 das Taschenradio „Sternchen“, Typ: 57/69TT, gefertigt. Es war das erste, ausschließlich mit Halbleitern (6 Germaniumtransistoren, 2 Germaniumdioden) bestückte Radio der DDR. Schaltungstechnisch als Überlagerungsempfänger (Superhet) ausgeführt, ermöglichte es nur Mittelwellenempfang und entsprach dem damaligen internationalen Stand der Technik. Die Transistoren lieferte das Halbleiterwerk Frankfurt/Oder. Andere Bauteile, wie Ferritstabantenne, Bandfilter und Kondensatoren, stammten von Thüringer Herstellern. Trotz stolzer 195,- DDR-Mark war das „Sternchen" bis Mitte der 1960er Jahre ein Verkaufsschlager.
Innovation und Technik
Historisches Glasapparatemuseum Cursdorf
Cursdorf
1999
Geißlersche Gasentladungsröhre
1857 hatte der in Neuhaus/Rennweg geborene Glasbläser und Instrumentenbauer Heinrich Geißler (1814-1879) eine teilevakuierte Röhre entwickelt. Durch eine eigens entwickelte Vakuumpumpe konnten mundgeblasene Glaszylinder entlüftet und damit ein Niederdruck-Vakuum erzeugt werden. Mit speziellen Gasen gefüllt, ließen sich unter elektrischer Spannung leuchtende Entladungen erzeugen. Die Verbindung traditioneller Glasmacherkunst mit Geißlers technischem Erfindergeist eröffnete damit den Weg zur Entwicklung der Leuchtstoff- und der Röntgenröhre. Instrumentenbauer in Cursdorf, wie die Firma Pressler, spezialisierten sich bald darauf, vielfarbig leuchtende Röhrensysteme beispielsweise für Lehrsammlungen herzustellen. Diese dienten nicht nur der wissenschaftlichen Demonstration von Gasentladungen, sondern waren auch effektvolle Schaustücke.
Innovation und Technik
Klassik Stiftung Weimar: Bauhaus-Museum
Weimar
1922
Bauhaus-Wiege
Die Wiege des Bauhauses stand und steht in Weimar – das gilt für den Ursprung der Institution und für eines der kennzeichnendsten Produkte. Erst zwanzigjährig hatte der Bauhaus-Lehrling Peter Keler (1898-1982) die Wiege entworfen. Ganz nach Kandinskys Entsprechungslehre von Grundformen und Grundfarben gestaltet, wurde sie 1923 in der Bauhaus-Ausstellung gezeigt. Sie eröffnet heute als Schlüsselobjekt die Dauerausstellung im neuen Bauhaus-Museum. Die häufigste von Besuchern an das Objekt gerichtete Frage bezieht sich auf die Kippsicherheit. Drängt sich womöglich der Symbolwert von Grundform und Grundfarbe auf Kosten der Sicherheit des Kindes in den Vordergrund? Es kann beruhigt werden: Die Funktionalität der Kinderwiege testete der Künstler erfolgreich beim eigenen Nachwuchs: Ein historisches Foto zeigt das fröhliche Keler-Kind in der Wiege – unbeschadet.
Innovation und Technik
IFA-Museum Nordhausen
Nordhausen
1952
Radschlepper RS 01/40 „Pionier“
Nach der Bodenreform 1945 fehlten im Osten Maschinen und Tranportmittel in der Landwirtschaft. Regierung und sowjetische Militäradministration forderten den Bau leistungsfähiger Ackerschlepper. In den Horch-Werken Zwickau nutzte man eine Lizenz der FAMO Werke Besslau zur Entwicklung des Radschleppers RS 01/40. Man gab ihm den bezeichnenden Namen „Pionier“. Das erste Fahrzeug lief am 21. Mai 1949 in Zwickau vom Band. Diese Traktoren bildeten die Ausrüstungsbasis der Maschinenausleihstationen. Mit der Neuorientierung des Fahrzeugbaus der DDR wurde die Fertigung in das Schlepperwerk Nordhausen verlagert. Hier hatte man seit 1937 mit dem Bau von Traktoren Erfahrungen gesammelt. Das Zwickauer Modell wurde in Nordhausen zum RS 01/40-II „Typ Harz“ weiterentwickelt. Bis 1958 liefen über 22.000 Stück vom Band. Der „Pionier“ ist heute einer der beliebtesten Oldtimertraktoren.
Innovation und Technik
Museum in der Osterburg Weida
Weida
Ende 1980er Jahre (Fertigstellung und Inbetriebnahme)
Atomuhr der DDR
Eine Uhr arbeitet umso exakter, je höher und damit konstanter die Frequenz des Taktgebers ist. Ein schwingendes Quarzkristall kann also Zeitintervalle viel genauer abbilden als eine Pendeluhr. Und noch exakter als bei der Quarzuhr können mithilfe von Atomuhren gleiche Zeitintervalle eingeteilt werden. 1967 wurde deshalb die mittels Atomuhr gemessene Zeit als internationaler Standard festgelegt. Die Eigenentwicklung der DDR-Physiker beruhte wie bei den westlichen Atomuhren auf der Verdampfung von Cäsium-Atomen und deren spezifischer magnetischer Reaktion bei Mikrowellenbestrahlung. Dadurch können 9.192.632.770 Schwingungsvorgänge gezählt werden, die genau eine Sekunde markieren. Die Meisterleistung „Made in GDR“ ließ die Uhren im Osten jedoch nur kurze Zeit anders gehen – seit der Wende geben Atomuhren in Braunschweig den Takt an.
Innovation und Technik
SCHOTT Glasmuseum & SCHOTT Villa
Jena
27. Mai 1879
Erster Brief von Otto Schott an Ernst Abbe
Nach dem Studium der Chemie begann Otto Schott (1851-1935) in einem kleinen Kellerlabor seines Elternhauses in Witten (Westfalen) das Schmelz-, Glasbildungs- und Kristallisationsverhalten verschiedener Verbindungen zu erforschen. 1879 nahm er Kontakt mit dem Jenaer Physiker Ernst Abbe (1840-1905) auf, um ihm erste Proben seiner Neuentwicklungen zu schicken, darunter eine völlig neue Glassorte – das Lithiumglas. Er vermutete, dass dieses Glas hervorragende optische Eigenschaften aufweisen würde. Abbe hielt die Forschungen für so vielversprechend, dass er Schott bat, sie in Jena fortzusetzen. Schott folgte dem Ruf und 1884 wurde in der Saalestadt das „Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen“ gegründet, das sich zu einem weltweit agierenden Technologieunternehmen entwickeln sollte. Im Anfang war ein Brief…
Innovation und Technik
Deutsches Bienenmuseum Weimar
Weimar
um 1637
Wachshammer
Dieser einzig erhaltene Wachshammer diente dazu, Bienenwachs zu reinigen. Zunächst wurden die Waben in einem Kessel mit Wasser aufgekocht. Die heiße Masse goss man in den mit Sackleinen ausgelegten ovalen Bottich unter der Presse. Nachdem der Wachsbrei mit Filz abgedeckt war, setzte man den Holzstempel auf und legte den schweren Eichenbalken darüber. Das eigentliche Wachsschlagen begann mit dem Einschlagen der seitlich eingesetzten Keile mithilfe der Pendelhämmer. Dadurch wurde der Stempel immer weiter nach unten gedrückt und das Wachs-Wasser-Gemisch durch den Leinensack in eine Wanne gepresst. Die Verunreinigungen blieben im Gewebe zurück. Dabei musste alles schnell gehen, denn der Prozess gelang nur bei noch nicht erstarrtem Wachs. Während der Abkühlung trennte sich das gesäuberte Wachs vom Wasser. Zu Barren geformt war das Wachs gut verkäuflich
Museumsverband Thüringen e.V.
Erinnern und Gedenken
Mühlhäuser Museen
Mühlhausen/Thüringen
ab 1975
Fünf-Markschein der DDR
Der radikale Reformator Thomas Müntzer (um 1489-1525) war einer der theologischen Köpfe des Bauernkrieges. Nach der Niederlage der Aufständischen in der Schlacht von Frankenhausen ließen ihn die siegreichen Fürsten am 27. Mai 1525 vor den Toren der Reichstadt Mühlhausen hinrichten. Vier Jahrhunderte später verklärten ihn Sozialdemokraten und Kommunisten in Abgrenzung zum angeblichen „Fürstenknecht“ Martin Luther zu einem ihrer Vorkämpfer. Vor allem nach der Gründung der DDR erhielten zahlreiche Straßen und Plätze, aber auch Schulen und Betriebe seinen Namen. Seine Vereinnahmung durchdrang fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens. So erhielt Margot Spitzer (geb. 1936) von der Staatsbank der DDR den Auftrag, einen neuen 5-Mark-Schein zu gestalten – mit einem Porträt des Mannes, von dem kein zeitgenössisches Porträt überliefert ist.
Erinnern und Gedenken
Stadtmuseum im Augustinerkloster Bad Langensalza
Bad Langensalza
1956-1966
Großdiorama zum Gefecht bei Langensalza vom 27. Juni 1866
Das Diorama zeigt den Generalangriff der hannoverschen Armee auf ein preußisches Korps am 27. Juni 1866 in mehreren Einzelepisoden. Die Kampfhandlungen endeten zwar mit einem Sieg der Hannoveraner, aber Nachschubmangel und die Umstellung durch stärkere preußische Truppen zwangen den König von Hannover zur Kapitulation. Diese wurde am 29. Juni 1866 im Schützenhaus von Langensalza unterzeichnet. Fast 600 Gefallene und 1700 Verwundete wurden gezählt. Dass nicht noch mehr Opfer beklagt werden mussten, war der jungen Rot-Kreuz-Organisation und vielen zivilen Helfern zu verdanken, die Verwundete bargen und in Lazaretten pflegten. Das Königreich Hannover endete mit der Annexion durch Preußen. Der Sieg im letzten Gefecht blieb ein Trost für welfische Patrioten und wurde Gegenstand des Schaubildes, für das in zehnjähriger Arbeit 11.000 Zinnfiguren gegossen und bemalt wurden.
Erinnern und Gedenken
Erinnerungsort Topf & Söhne
Erfurt
1. Hälfte 20. Jahrhundert
Ofentür der Fa. J.A. Topf & Söhne, Erfurt
Die Ofentür, die vermutlich aus einer Mälzerei stammt, nutzte eine Reutlinger Pfadfindergruppe seit 2003 an einem Lehmofen. Durch die öffentliche Diskussion über die Rolle von Topf & Söhne als Ofenbauer von Auschwitz erfuhren auch die Jugendlichen davon. Gemeinsam mit ihrem Namenspatron, dem jüdischen Pfadfinderführer Jizchak „Zick“ Schwersenz (1915-2005), erörterten sie nun intensiv, wie sie mit der Ofentür umgehen sollten. Zick stammte aus Berlin, war während des Nationalsozialismus im jüdischen Untergrund aktiv gewesen und konnte 1944 aus Deutschland fliehen. Seit 1953 lebte er in Israel. Man einigte sich darauf, die Tür an ihrem Platz zu belassen, aber mit der Gedenktafel „Eine Tür mit Geschichte …“ zu versehen. 2012, der Lehmofen war inzwischen abgebaut, kam die Ofentür zusammen mit der Gedenktafel als Schenkung an ihren Entstehungsort zurück.
Erinnern und Gedenken
Lutherhaus Eisenach
Eisenach
nach 1545
Martin Luther im Tode
Martin Luther starb am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben, in die er gereist war, um eine Auseinandersetzung zwischen den Grafen von Mansfeld zu schlichten. Um zu belegen, dass der Reformator sanft und friedlich entschlafen war, verfassten Luthers Begleiter nicht nur einen ausführlichen Bericht über die Umstände seines Todes, sondern ließen auch das Aussehen des Toten festhalten. Da Lucas Cranach d. J. (1515-1586), der alle offiziellen Lutherporträts schuf, mehrere Tage gebraucht hätte, um von Wittenberg nach Eisleben zu gelangen, bat man den in Halle (Saale) ansässigen Künstler Lucas Furtenagel (1505-vor 1563), den Reformator auf dem Totenbett zeichnen. Cranach und seine Wittenberger Werkstatt verwendeten dessen Skizze, um ein offizielles Totenbild zu malen, das in verschiedenen Fassungen weite Verbreitung fand.
Erinnern und Gedenken
Gedenkstätte Buchenwald
1945 Trümmerfund im Stadtgebiet Weimar
Schachtel aus dem Besitz des KZ-Häftlings Charles Brusselairs
Charles Brusselairs (1925-2000) aus Antwerpen war 1945 politischer Häftling im Konzentrationslager Buchenwald. Zur Beseitigung von Trümmern in Weimar eingesetzt, fand ein Mithäftling die flache Blechdose mit Buntstiften, entnahm diese und warf die Dose fort. Charles nahm die Dose an sich und sammelte darin „persönliche Sachen“, die er während weiterer Aufräumarbeiten fand oder von anderen Häftlingen erhielt – einen Kerzenstummel, einen kleinen Spielwürfel aus grünem Glas, ein Stück Draht, Sicherheits- und Nähnadeln, ein Abzeichen, Knöpfe, Münzen und – lebenswichtig – ein Röhrchen mit Vitamin-Tabletten. Später hat er die Schachtel als Andenken an seine Häftlingszeit behalten. „Die inliegenden Stücke haben alle eine Geschichte, wie ich sie bekommen habe, warum ich sie behielt“, berichtete er bei der Übergabe an die Gedenkstätte.
Erinnern und Gedenken
Grenzmuseum Schifflersgrund
Asbach-Sickenberg
1974
Traktorbagger URSUS K 161
29. März 1982. Innerdeutsche Grenze bei Sickenberg. DDR-Seite. Grenzsoldaten bewachen den Bauarbeiter Heinz-Joseph Große, der mit seinem Spezialbagger zu Arbeiten an den Grenzbefestigungen eingesetzt ist. In einem günstigen Moment nutzt Große das Fahrzeug, um mit erhobener Baggerschaufel an den Grenzzaun zu fahren. Schnell klettert er aus dem Fahrerhaus bis auf die Schaufel und springt über den Zaun. Doch die Soldaten eröffnen das Feuer. Mehrfach getroffen bleibt Große liegen und verblutet noch auf DDR-Territorium. Das erhaltene Baufahrzeug ist ein ganz besonderes Exponat. Es erzählt am Ort des Fluchtversuchs mehr als ein konkretes Einzelschicksal. Es verkörpert die Tragik der deutschen Teilung und die Unmenschlichkeit des Grenzregimes.
Erinnern und Gedenken
Städtische Museen Jena
Jena
2014
Denkmal für die Blaue Blume
Moritz Götze (geb. 1964 in Halle) malt, radiert, brennt Emaillen, gestaltet Bühnenbilder, engagiert sich in der Denkmalpflege. Zur Zeit stattet er eine Kirche mit wandfüllenden Emaillekompositionen aus. Er liebt Geschichte(n). So auch die der Blauen Blume, die zum Symbol der frühen romantischen Bewegung geworden ist. Und was wäre die Kunst heute ohne die Motive der Romantik, ihr Eindringen in die Psyche des Menschen und ihre Suche nach dem Wesen hinter den Dingen. Ab 1794 sammelte sich in Jena ein Kreis von jungen Dichtern, Literaturkritikern und Philosophen, der einen ästhetischen Aufbruch wagte. Kontakt zur „Jenaer Gelehrtenrepublik“ hatte auch Novalis, dessen Geist das literarische Motiv der „Blauen Blume“ entsprang. Moritz Götze versenkte sich mit seiner Arbeit in dieses Ereignis und setze dem damaligen Aufbruch mit seinem Bild ein Denkmal. Wo wäre es besser aufgehoben als im Jenaer Romantikerhaus?
Erinnern und Gedenken
Grenzlandmuseum Eichsfeld e.V.
Teistungen
1952
Foto der innerdeutschen Grenze mit Blick auf Ecklingerode/Eichsfeld
Hans-Georg Hövener (1929-2000), Mitarbeiter und später Herausgeber der Südhannoverschen Volkszeitung und wahrscheinlich der Fotograf der Aufnahme, lebte im niedersächsischen Duderstadt, direkt an der innerdeutschen Grenze. Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, Vorkommnisse an der Grenze im Foto festzuhalten. So wohl auch 1952, als man auf DDR-Seite ein Sperrgebiet eingerichtet und einen ersten Grenzzaun gezogen hatte. Von da an waren viele Familien und Freunde voneinander getrennt und Besuche aus dem Westen in den östlich gelegenen Nachbarorten nicht mehr möglich. Das galt auch für Beerdigungen. Trauerkränze, die von Verwandten nun nicht mehr am Grab abgelegt werden konnten, wurden an den Grenzzaun gehängt. Das Foto erfasst nicht nur die menschliche Tragik der Teilung, sondern entfaltet eine immense politische Aussagekraft.
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