Erfurter Münzhumpen

Beschreibung

Der knapp 20 cm hohe Humpen steht Vergleichsstücken aus den Goldschmiedezentren Augsburg und Nürnberg in nichts nach. Insgesamt 32 Münzen unterschiedlicher Größe und Wertigkeit sind eingelötet. Alle Flächen dazwischen sind in bemerkenswert qualitativer und reicher Treibarbeit sowie Gravur verziert. Die eingesetzten Münzen stammen aus unterschiedlichen Herrschaftsgebieten – vornehmlich der Wettiner (Ernestinische und Albertinische Linie) und Welfen sowie Schwarzburg-Rudolstadt und Sachsen-Weimar. Sie wurden zwischen 1538 und 1655 geprägt. Die letzte Jahreszahl liefert den Terminus post quem; der Münzhumpen kann somit auf sieben Jahre genau zwischen 1655 und 1662 datiert werden. Die Initialen F E verweisen auf Friedrich Engau (Meister 1647, erwähnt bis 1662), dem Angehörigen einer Familie von Erfurter Goldschmieden. Mit dem Münzhumpen konnte erstmals ein Werk von Friedrich Engau bestimmt werden.

Profane Goldschmiedearbeiten aus Erfurt sind infolge der von Napoleon geforderten, sehr hohen Tributzahlungen und der damit verbundenen Einschmelzung extrem rar geworden; schon im
Dreißigjährigen Krieg ging auch das Erfurter Ratssilber fast zur Gänze verloren. So ist der Münzhumpen Friedrich Engaus auch für das einst hohe Niveau der Erfurter Gold- und Silberschmiedekunst ein seltener Beleg.
(Text: Miriam Krautwurs)
Erfurter Münzhumpen
Erfurter Münzhumpen
Abb.: Rebhan, Marcus
CC BY-NC 4.0