Hoftafelservice der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt

Beschreibung

Aus der Zeit vor 1770 gibt es kaum Belege für die Herstellung von vollständigen Tafelservice aus Thüringer Manufakturen. Neben Teilen aus Closter Veilsdorf zählt das Hoftafelgeschirr aus Volkstedt zu den frühesten gefertigten Speiseservice in Thüringen. Die Benutzung von Volkstedter Porzellan am Rudolstädter Hof wird erstmals am 5. Mai 1769, dem 62. Geburtstag der Prinzessin Magdalena Sybilla von Schwarzburg-Rudolstadt (1707-1795), erwähnt. Vermutlich handelt es sich in diesem Fall um ein in Einzelteilen nachweisbares Service mit purpufarbener Blumenmalerei und dem Monogramm "MS" in einer mit dem Fürstenhut gekrönten Kartusche. Es ist anzunehmen, dass wohl schon um 1766 Tafelgeschirr in der Art des Meißner Alt-Brandenstein-Modells im Auftrag des Fürsten Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt (1721-1767) speziell für den Rudolstädter Hof hergestellt wurde. Das sogenannte Reliefdekor "Alt-Brandenstein" wurde erstmalig 1738 für eine Bestellung des kursächsischen Oberküchenmeisters Friedrich August von Brandenstein (gest. 1743) gefertigt. Der Servicezusammenhang wird durch die einheitliche Dekoration des plastischen Randmusters auf allen Teilen deutlich. Das symmetrisch angeordnete Relief unterteilt sich in zwei lange Felder mit lockerem, kreuzförmigem Flechtwerk, weiterhin in zwei kurze Felder mit kleinen Blütenrosetten zwischen geraden Stegen als Gitterwerk soiwe einer schmalen glatten Fläche. Alle Teile wurden in einem Reservestück mit dem Wappen des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt in polychromer Malerei geschmückt. Kleine Blüten und üppige Blumenbuketts sind auf den Flächen verstreut und Goldränder betonen die geschwungenen Ränder der Stücke. Während die Teller mit dem Meißner Modell identisch sind, zeichnen sich Platten und Terrinen durch eigene Schöpfungen, insbesondere lebhaft bewegte Rocaillen und plastisch ausgeformte Tierköpfe an den Griffen, aus. Die Deckel der Terrinen schmücken vollplastische exotische Früchte. Mit besonderer Vorliebe für üppige Rokokoformen entstand das Modell der Saucière und zählt mit seiner außergewöhnlichen Gestaltung zu den herausragendsten Porzellanen der Volkstedter Manufaktur. Die zweiteilige Saucière beeindruckt vor allem durch die Enden der Längsseiten in Form von Delphinköpfen, deren Schnauzen rüsselartig in die Höhe ragen, desweiteren durch den Deckelknauf als hornartige Bekrönung mit einer Girlande aus plastischen, polychrom staffierten Blüten. Die Formen für dieses Service wurden bis in das 19. Jahrhundert aufbewahrt. Teile, die am Hofe zu Bruch gingen, konnten somit noch lange Zeit nachgefertigt werden. Einige erhalten gebliebene Tafelgeschirre mit Blumen- oder Palmbaumdekor sowie zahlreiche unterschiedlich dekorierte Einzelstücke geben Aufschluss über die große Nachfrage bzw. den guten Absatz dieser Modelle.