Das Digitale Landesmuseum Thüringen

100 Objekte. 100 Museen = 100 Geschichten


100 Museen haben mit ungewöhnlichen, berühmten oder wertvollen Stücken aus ihren Sammlungen diese erste virtuelle Ausstellung möglich gemacht. Jedes dieser Objekte hat etwas ganz Besonderes zu erzählen. Alle zusammen zeigen 400 Millionen Jahre Geschichte - aus, mit und über Thüringen und auch über die Landesgrenzen hinaus. Das Digitale Landesmuseum Thüringen ist ein neues Format für alle, die sich für Thüringen und seine Museen interessieren: Hier können Sie sich überraschen lassen! Sie können Unerwartetes entdecken oder guten Bekannten wieder begegnen. Wir möchten Sie inspirieren, auch die realen Objekte in den Thüringer Museen zu besuchen und dort noch viele andere kennenzulernen. Denn im Museum begegnet man Geschichte und Geschichten.


Treten sie ein!


Ihr Museumsverband Thüringen e.V.

Nah und Fern
Mühlhäuser Museen
Mühlhausen/Thüringen
1990/91
Selbst vor rotem Bauwagen
Der Sondershäuser Maler Günther Jahn (1933-2011) thematisiert eine grundlegende Frage während der Friedlichen Revolution von 1989/90. Der Wagen kann einerseits als Symbol für den begonnenen „Umbau“ jener Wochen und Monate gelesen werden, andererseits aber auch für Ortsveränderlichkeit, den Weggang. Allerorten stellte sich in der untergehenden DDR die Frage, ob man nun mit der neuen Freiheit die angestammte Heimat verlassen würde, vielleicht auch zur Existenzsicherung verlassen müsse. Die Ballons stehen so als Zeichen für manchen hochfliegenden Traum, aber auch für das Abtreiben in eine nicht selbst bestimmbare Richtung unter einem drohend dunklen Himmel. Der Künstler setzte sich selbst ins Bild, wie er den Ballons hinterherschaut. Mit wenigen markanten Symbolen verbildlichte er hier eine persönliche Frage als Ausdruck eines allgemeinen Problems. Jahn selbst blieb.
Freiheit und Selbstbestimmung
Mühlhäuser Museen
Mühlhausen/Thüringen
16. Jahrhundert
Bauernwehr
Als Bauernwehr wird ein langes Eisenmesser mit schwerer einschneidiger Klinge bezeichnet. Die mitunter verzierten Griffschalen waren ursprünglich aus Holz oder Horn gefertigt. Albrecht Dürer (1471-1528) hat derartige Messer als Ausrüstungsgegenstand des Bauernstandes oder von Fuhrleuten beobachtet und als kennzeichnendes Attribut in mehreren Darstellungen festgehalten. Die als Waffe und Werkzeug nutzbare Bauernwehr wurde am Gürtel getragen und gehörte auch während des Bauernkrieges zur Grundausstattung der Aufständischen, was Spekulationen über die Herkunft des Bodenfundes eröffnet. Das Exemplar wurde am Rande eines Altweges im Hainich bei Mühlhausen entdeckt – also im Kerngebiet der damaligen Auseinandersetzungen.
Erinnern und Gedenken
Mühlhäuser Museen
Mühlhausen/Thüringen
ab 1975
Fünf-Markschein der DDR
Der radikale Reformator Thomas Müntzer (um 1489-1525) war einer der theologischen Köpfe des Bauernkrieges. Nach der Niederlage der Aufständischen in der Schlacht von Frankenhausen ließen ihn die siegreichen Fürsten am 27. Mai 1525 vor den Toren der Reichstadt Mühlhausen hinrichten. Vier Jahrhunderte später verklärten ihn Sozialdemokraten und Kommunisten in Abgrenzung zum angeblichen „Fürstenknecht“ Martin Luther zu einem ihrer Vorkämpfer. Vor allem nach der Gründung der DDR erhielten zahlreiche Straßen und Plätze, aber auch Schulen und Betriebe seinen Namen. Seine Vereinnahmung durchdrang fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens. So erhielt Margot Spitzer (geb. 1936) von der Staatsbank der DDR den Auftrag, einen neuen 5-Mark-Schein zu gestalten – mit einem Porträt des Mannes, von dem kein zeitgenössisches Porträt überliefert ist.
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