Das Digitale Landesmuseum Thüringen

100 Objekte. 100 Museen = 100 Geschichten


100 Museen haben mit ungewöhnlichen, berühmten oder wertvollen Stücken aus ihren Sammlungen diese erste virtuelle Ausstellung möglich gemacht. Jedes dieser Objekte hat etwas ganz Besonderes zu erzählen. Alle zusammen zeigen 400 Millionen Jahre Geschichte - aus, mit und über Thüringen und auch über die Landesgrenzen hinaus. Das Digitale Landesmuseum Thüringen ist ein neues Format für alle, die sich für Thüringen und seine Museen interessieren: Hier können Sie sich überraschen lassen! Sie können Unerwartetes entdecken oder guten Bekannten wieder begegnen. Wir möchten Sie inspirieren, auch die realen Objekte in den Thüringer Museen zu besuchen und dort noch viele andere kennenzulernen. Denn im Museum begegnet man Geschichte und Geschichten.


Treten sie ein!


Ihr Museumsverband Thüringen e.V.

Hof und Herrschaft
Klassik Stiftung Weimar: Schloss und Park Belvedere
Weimar
1835, 1841
Prunkvasen-Paar mit Panorama-Ansichten
Die Prunkvasen sind Ausdruck der dynastischen Verbindungen zwischen den Hohenzollern und dem großherzoglichen Haus. Maria von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde 1827 mit Prinz Carl von Preußen vermählt, ihre Schwester Augusta ehelichte zwei Jahre später Prinz Wilhelm von Preußen und konnte so zur Königin von Preußen und 1871 zur Deutschen Kaiserin aufsteigen. Die Schwestern residierten zeitweilig in Sichtweite voneinander in den Schlössern Babelsberg und Glienicke. Mit den beiden Vasen sandte der preußische König auch Landschaftspanoramen, wie sie die Prinzessinnen erleben konnten: Eine Vase zeigt das Panorama des Berliner Lustgartens, die andere eine Ansicht von Potsdam mit Glienicker Brücke, Schloss Glienicke und Marmorpalais. Bei drehbarer Aufstellung ermöglichten die umlaufend auf die Vasen gemalten Veduten einen imaginären Rundblick.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens
Weimar
um 500 n. Chr
Adlerfibel
Zwischen 506 und 510 heiratete der Thüringer König Herminafried auf Betreiben des ostgotischen Königs Theoderich des Großen dessen Nichte Amalaberga. Die Verbindung der beiden Königshäuser trug wesentlich zur Machtentfaltung der Thüringer in Mitteleuropa bei. Aus dieser Zeit der dynastischen Verbindung stammt das Grab einer ostgotischen Prinzessin bei Oßmannstedt. Neben weiterem kostbaren Schmuck enthielt es die aus einer byzantinischen Werkstatt stammende goldene Fibel in Adlerform. Die Vorderseite ist mit Goldzellenwerk und mit vergoldeter Silberfolie hinterlegten Almandinen gestaltet. Die Rückseite ziert ein eingepunztes naturalistsches Bild eines Adlers. Die etwa 25-jährige Frau hatte einen nach reiternomadischer Sitte deformierten Kopf. Sie gehörte zur ostgotischen Elite und verstarb offenbar auf einer Reise durch Thüringen.
Freiheit und Selbstbestimmung
Stadtmuseum Weimar
Weimar
23. Februar 1928
Thüringer Landtag - Hebammengesetz, Frau Sachse (SPD) am Rednerpult
1890 in Wintersdorf im Altenburger Land geboren, ließ sich Alfred Ahner in Gera zum Lithografen ausbilden. Sonntäglicher Zeichenunterricht führte zur Bekanntschaft mit Otto Dix (1891-1969), der den feinen, oft mit nachträglichen Schraffuren verunklärten Strich in Ahners Zeichnungen auszubilden half. Nach Studium an den Kunstakademien von München und Stuttgart ließ sich Ahner 1922 als Kunstmaler in Weimar nieder und wurde mit seiner Zeichenlust nicht nur zum Chronisten der Stadt, sondern auch zu einem Zeitzeugen des Parlamentarismus im noch jungen Freistaat. Unzählige Male besuchte er die Landtagsdebatten und hielt die Abgeordneten fest. Mit der Skizze während der Debatte zum Hebammengesetz vom 23. Februar 1928 hinterließ er nicht nur ein Zeugnis der demokratischen Meinungsbildung, sondern auch der politischen Frauenemanzipation. Der Künstler starb 1973 in Weimar.
Orte und Menschen
Stadtmuseum Weimar
Weimar
Anfang 19. Jahrhundert
Gästebuch des Gasthauses „Zum Weißen Schwan“ in Weimar
Schon Goethe hat gern seine Gäste im „Gasthaus zum Weißen Schwan“ am Frauenplan untergebracht. Diese traditionsreiche Stätte wurde auch von vielen Abgeordneten während der Tagung der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung 1919 aufgesucht. Das extra aus diesem Anlass von Inhaber Karl Ziege neu angelegte Gästebuch, unter anderem mit Einträgen von Gustav Stresemann und Gustav Noske, beginnt mit folgendem Eintrag: „Von Berlin geflüchtet, haben wir hier // eine sichere trauliche Stätte gefunden. // Mögen dem schönen Weimar und unse- // rem lieben Vaterland bald bessere // Tage werden! // Weimar 30/III 1919 // Fehrenbach // Präsident der National-Versammlung.“ Politiker aller Couleur tafelten hier nach getaner Arbeit, die darin bestand, in Rekordzeit eine Verfassung zu erarbeiten – für die erste deutsche Republik.
Orte und Menschen
Klassik Stiftung Weimar: Goethe-Nationalmuseum
Weimar
um 1816
Dornburger Coelestine
Über Jahrzehnte baute sich Goethe seine mineralogisch-geologische Sammlung auf. Davon erhoffte er sich Aufschlüsse über das größte aller Themen: die Entstehung der Erde. Da er ungern wieder etwas abgab, war es ein Glücksfall, dass er über Coelestine aus der Umgebung von Dornburg verfügen konnte. Die Steine, die er selbst um 1816 auf den dortigen Äckern gesammelt hatte, setzte er als Tauschobjekt für andere Mineralien ein. Erst 1797 als strontiumhaltiges Sulfat klassifiziert, erhielt es ein Jahr später von dem mit Goethe befreundeten Geologen Abraham Gottlob Werner (1749-1817) wegen der oft himmelblauen Farbe den heute gültigen Namen. Und Goethe war auf dem neuesten Stand, da er seine Funde korrekt als „Cölestin von Dornburg an der Saale 3 Stunden v. Jena“ etikettierte. Etwa 20 Coelestine sind in seiner Sammlung erhalten, die meisten davon aus Dornburg.
Innovation und Technik
Klassik Stiftung Weimar: Nietzsche-Archiv
Weimar
vor 1882
Skrivekugle (Schreibkugel) aus dem Besitz Friedrich Nietzsches
1865 von dem Dänen Rasmus Malling-Hansen (1835-1890) entwickelt, handelt es sich um die erste serienmäßig hergestellte Schreibmaschine. Als Lehrer an einer Taubstummenschule war Hansen aufgefallen, dass seine Schüler mit der Fingersprache die Lautzeichen auffällig schnell wiedergeben konnten. So kam er auf die Idee der Scrivekugle, bei deren Benutzung man alle zehn Finger einsetzen konnte. Ihren Namen verdankt die Schreibkugel den 54 konzentrisch angeordneten Tasten auf der Oberseite, die das Segment einer Kugel bilden. Friedrich Nietzsche war stark fehlsichtig und kaum mehr in der Lage, seine eigene Schrift zu lesen. Von der Maschine erhoffte er sich ein klares Schriftbild. Daher erwarb Elisabeth Förster-Nietzsche 1882 die Schreibhilfe für ihren Bruder. Weil das „Ding aus Eisen“ aber schnell defekt und zudem kompliziert zu bedienen war, nutzte er es nur etwa sechs Wochen.
Innovation und Technik
Klassik Stiftung Weimar: Bauhaus-Museum
Weimar
1922
Bauhaus-Wiege
Die Wiege des Bauhauses stand und steht in Weimar – das gilt für den Ursprung der Institution und für eines der kennzeichnendsten Produkte. Erst zwanzigjährig hatte der Bauhaus-Lehrling Peter Keler (1898-1982) die Wiege entworfen. Ganz nach Kandinskys Entsprechungslehre von Grundformen und Grundfarben gestaltet, wurde sie 1923 in der Bauhaus-Ausstellung gezeigt. Sie eröffnet heute als Schlüsselobjekt die Dauerausstellung im neuen Bauhaus-Museum. Die häufigste von Besuchern an das Objekt gerichtete Frage bezieht sich auf die Kippsicherheit. Drängt sich womöglich der Symbolwert von Grundform und Grundfarbe auf Kosten der Sicherheit des Kindes in den Vordergrund? Es kann beruhigt werden: Die Funktionalität der Kinderwiege testete der Künstler erfolgreich beim eigenen Nachwuchs: Ein historisches Foto zeigt das fröhliche Keler-Kind in der Wiege – unbeschadet.
Innovation und Technik
Deutsches Bienenmuseum Weimar
Weimar
um 1637
Wachshammer
Dieser einzig erhaltene Wachshammer diente dazu, Bienenwachs zu reinigen. Zunächst wurden die Waben in einem Kessel mit Wasser aufgekocht. Die heiße Masse goss man in den mit Sackleinen ausgelegten ovalen Bottich unter der Presse. Nachdem der Wachsbrei mit Filz abgedeckt war, setzte man den Holzstempel auf und legte den schweren Eichenbalken darüber. Das eigentliche Wachsschlagen begann mit dem Einschlagen der seitlich eingesetzten Keile mithilfe der Pendelhämmer. Dadurch wurde der Stempel immer weiter nach unten gedrückt und das Wachs-Wasser-Gemisch durch den Leinensack in eine Wanne gepresst. Die Verunreinigungen blieben im Gewebe zurück. Dabei musste alles schnell gehen, denn der Prozess gelang nur bei noch nicht erstarrtem Wachs. Während der Abkühlung trennte sich das gesäuberte Wachs vom Wasser. Zu Barren geformt war das Wachs gut verkäuflich
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