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Das Digitale Landesmuseum Thüringen

100 Objekte. 100 Museen = 100 Geschichten


100 Museen haben mit ungewöhnlichen, berühmten oder wertvollen Stücken aus ihren Sammlungen diese erste virtuelle Ausstellung möglich gemacht. Jedes dieser Objekte hat etwas ganz Besonderes zu erzählen. Alle zusammen zeigen 400 Millionen Jahre Geschichte - aus, mit und über Thüringen und auch über die Landesgrenzen hinaus. Das Digitale Landesmuseum Thüringen ist ein neues Format für alle, die sich für Thüringen und seine Museen interessieren: Hier können Sie sich überraschen lassen! Sie können Unerwartetes entdecken oder guten Bekannten wieder begegnen. Wir möchten Sie inspirieren, auch die realen Objekte in den Thüringer Museen zu besuchen und dort noch viele andere kennenzulernen. Denn im Museum begegnet man Geschichte und Geschichten.


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Ihr Museumsverband Thüringen e.V.

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Hof und Herrschaft
FSU Jena: Orientalisches Münzkabinett
Jena
693-696 n. Chr.
Gold-Dinar
Nur sieben Exemplare des kurzzeitig in Damaskus geprägten Münztyps sind heute bekannt. Seine Bedeutung erwächst aus der arabischen Überformung eines byzantinischen Zahlungsmittels. Statt des Kaisers von Byzanz, wie im Münzwesen dieses Raumes bis zur arabischen Eroberung üblich, ist nun ein Herrscher in arabischem Gewand und mit einem Schwert als Zeichen seiner Macht abgebildet. Mit Abd al-Malik (reg. 685-705) wurde erstmals ein Kalif bildlich dargestellt. Die Beschriftung ist bereits arabisch verfasst und auch die Rückseite wurde der neuen Herrschaft angepasst: Sie zeigt statt eines byzantinischen Kreuzes eine Art Säule mit einer Kugel. Ähnliche Monumente sind für mehrere Städte Syriens nachgewiesen. Mit diesen Münzen brachte Abd al-Malik einen Grenzen und Zeiten überdauernden Herrschaftsanspruch zum Ausdruck. Das Kalifat war gekommen, um zu bleiben.
Kostbarkeiten und Kuriositäten
Stiftung Deutsches Optisches Museum
Jena
1750
Prunkmikroskop nach Duc de Chaulnes
Es handelt sich um das einzige Exemplar dieses Typs, das in Deutschland nachgewiesen ist. Selbst weltweit sind von dem aufwendig verzierten Rokoko-Mikroskop nur etwa ein Dutzend bekannt. Aber nicht nur die Ästhetik, auch die Technik besticht – kein Wunder, galt doch sein Erfinder, der Pariser Astronom und Physiker Michel Ferdinand d'Albert d'Ailly (1714-1769), Herzog von Chaulnes, als begeisterter Optiker. Das Mikroskop besitzt einen kippbaren Tubus, der eine komfortable Benutzung im Sitzen ermöglicht. Mit dem Objektmikrometer konnten Präparate in einer bis dahin ungewohnten Präzision vermessen werden. Die Umsetzung der in diesem Mikroskop vereinigten Neuerungen war derart anspruchsvoll, dass für die Ausführung die Fähigkeiten von zwei besonders begabten Meistern vereint werden mussten. So fertigte Claude-Siméon Passement die Optik, während André Maingaut die Mechanik schuf.
Orte und Menschen
Städtische Museen Jena: Literaturmuseum Romantikerhaus
Jena
1852
Kreuzgang im Kloster Walkenried
Ein morbides Kreuzgewölbe, der Blick auf die Ruine eines Kirchenchores, ebenso gotisch, dazu verschneite Eichen vor einem wolkenverhangenen Himmel, ein schiefes Grabkreuz – das kann einem bekannt vorkommen. Richtig, von Bildern Caspar David Friedrichs, dem Erfinder der romantischen Ruinenlandschaft. Doch das vorliegende Gemälde stammt von Wilhelm Steuerwaldt (1815-1871) und wurde mehr als eine Generation später gemalt. Im Harz fand der Maler seine bevorzugte Motivwelt in der Klosterruine von Walkenried. Doch viele kleine Wahrheiten sind zu einer großen Illusion zusammengefügt, um noch „romantischer“ zu sein als die Erfinder der Romantik. Fein gemalte Mittelaltersehnsucht mündet hier in einem retrospektiven Spaziergang durch eine Scheinwelt. Doch in einem Punkt ist der Maler ehrlich: Diese untergegangene Welt ist inzwischen das Ziel von Entdeckungsreisenden geworden.
Sakrales und Profanes
Städtische Museen Jena: Stadtmuseum
Jena
1385-1390
Pietà
Die Jenaer Pietà gehört dem sogenannten Schönen Stil an, der sich Ende des 14. Jahrhunderts herausbildete. Solche Vesper-Bilder dienten besonders während des vorabendlichen Stundengebets (lat. vespera = Abend) den Gläubigen zur individuellen Andacht. Die auf Nahsicht gearbeiteten Bildwerke förderten die Innigkeit des Gebets durch eine besondere, Mitleid erregende Anschaulichkeit, die durch die farbige Fassung noch gesteigert wurde. Die herausragende Qualität der Jenaer Pietà ließ früh die Frage nach der Herkunft aufkommen. Obgleich bis heute durch naturwissenschaftliche Analysen noch nicht untermauert, verweisen stilistische Vergleiche auf Prag und die Steinmetzen der von Peter Parler (gest. 1399) geleiteten Dombauhütte. Auftraggeber war möglicherweise das örtliche Adelsgeschlecht von Butenitz (Beutnitz), das Verbindungen nach Prag besaß und mehrere Altarstiftungen in der Jenaer Pfarrkirche St. Michael tätigte.
Innovation und Technik
SCHOTT Villa
Jena
27. Mai 1879
Erster Brief von Otto Schott an Ernst Abbe
Nach dem Studium der Chemie begann Otto Schott (1851–1935) in einem kleinen Kellerlabor seines Elternhauses in Witten (Westfalen) das Schmelz-, Glasbildungs- und Kristallisationsverhalten verschiedener Verbindungen zu erforschen. 1879 nahm er Kontakt mit dem Jenaer Physiker Ernst Abbe (1840–1905) auf, um ihm erste Proben seiner Neuentwicklungen zu schicken, darunter eine völlig neue Glassorte – das Lithiumglas. Er vermutete, dass dieses Glas hervorragende optische Eigenschaften aufweisen würde. Abbe hielt die Forschungen für so vielversprechend, dass er Schott bat, sie in Jena fortzusetzen. Schott folgte dem Ruf und 1884 wurde in der Saalestadt das „Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen“ gegründet, das sich zu einem weltweit agierenden Technologieunternehmen entwickeln sollte. Im Anfang war ein Brief…
Erinnern und Gedenken
Städtische Museen Jena: Kunstsammlung
Jena
2014
Denkmal für die Blaue Blume
Moritz Götze (geb. 1964 in Halle) malt, radiert, brennt Emaillen, gestaltet Bühnenbilder, engagiert sich in der Denkmalpflege. Zur Zeit stattet er eine Kirche mit wandfüllenden Emaillekompositionen aus. Er liebt Geschichte(n). So auch die der Blauen Blume, die zum Symbol der frühen romantischen Bewegung geworden ist. Und was wäre die Kunst heute ohne die Motive der Romantik, ihr Eindringen in die Psyche des Menschen und ihre Suche nach dem Wesen hinter den Dingen. Ab 1794 sammelte sich in Jena ein Kreis von jungen Dichtern, Literaturkritikern und Philosophen, der einen ästhetischen Aufbruch wagte. Kontakt zur „Jenaer Gelehrtenrepublik“ hatte auch Novalis, dessen Geist das literarische Motiv der „Blauen Blume“ entsprang. Moritz Götze versenkte sich mit seiner Arbeit in dieses Ereignis und setze dem damaligen Aufbruch mit seinem Bild ein Denkmal. Wo wäre es besser aufgehoben als im Jenaer Romantikerhaus?
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