Das Digitale Landesmuseum Thüringen

100 Objekte. 100 Museen = 100 Geschichten


100 Museen haben mit ungewöhnlichen, berühmten oder wertvollen Stücken aus ihren Sammlungen diese erste virtuelle Ausstellung möglich gemacht. Jedes dieser Objekte hat etwas ganz Besonderes zu erzählen. Alle zusammen zeigen 400 Millionen Jahre Geschichte - aus, mit und über Thüringen und auch über die Landesgrenzen hinaus. Das Digitale Landesmuseum Thüringen ist ein neues Format für alle, die sich für Thüringen und seine Museen interessieren: Hier können Sie sich überraschen lassen! Sie können Unerwartetes entdecken oder guten Bekannten wieder begegnen. Wir möchten Sie inspirieren, auch die realen Objekte in den Thüringer Museen zu besuchen und dort noch viele andere kennenzulernen. Denn im Museum begegnet man Geschichte und Geschichten.


Treten sie ein!


Ihr Museumsverband Thüringen e.V.

Nah und Fern
Museum für Angewandte Kunst
Gera
1922
Kabinettschränkchen aus dem Calais-Mediterranée Express (Train Bleu)
Nach Coco Chanel (1883-1971) ist Luxus nicht das Gegenteil von Armut, sondern von Gewöhnlichkeit. Gewöhnlich ist dieses Möbelstück ebenso wenig wie sein einstiger Bestimmungsort, stammt es doch aus dem berühmten nachtblau lackierten Luxuszug „Train Bleu“, der ab 1886 zwischen Calais und der französischen Riviera verkehrte. Die Interieurs der Reisewaggons wurden von namhaften Innenarchitekten gestaltet. Der Entwurf für das in Gera erhaltene Kabinettschränkchen stammt vom Pariser Designer René Prou (1889-1949). Feine Einlegearbeiten aus exotischen Hölzern und die glänzende Oberfläche spiegeln eine prunkvolle Variante des Art déco. Es war unter anderem der Train Bleu, der Serge Diaghilev (1879-1929) zu einem Ballett inspirierte, dessen Bühnenbild Pablo Picasso entwarf. Die Kostüme zum Ballett stammten von der Grande Dame der Modewelt: Coco Chanel.
Orte und Menschen
Kunstsammlung Gera / Orangerie
Gera
1913
Selbstbildnis Otto Dix als Raucher
Unter den Exponaten des Otto-Dix-Hauses bildet das „Selbstbildnis als Raucher“ einen besonderen Höhepunkt. Mit furiosen Pinselschlägen stellte sich der Proletariersohn Otto Dix (1891-1969) dar. Das Brustbild von der Seite spiegelt Vitalität ebenso wider wie prüfendes Hinterfragen. Dabei hatte der damals 22-jährige Kunstgewerbeschüler gehöriges Selbstbewusstsein – er schaut Betrachtende bzw. sich selbst im Spiegel direkt an. Deutlich wird der Einfluss, welchen die Vincent-van-Gogh-Ausstellung bei ihm hinterließ, die er 1912 in Dresden besucht hatte. Auf dieses Jahr ist das Gemälde auch datiert. Tatsächlich kann es aber frühestens 1913 vollendet worden sein, denn die im Hintergrund erkennbare Atelierwand zeigt einige Dix-Gemälde, die nachweislich aus dem Jahr 1913 stammen. Signatur und Datierung sind demnach nachträglich durch den Künstler vorgenommen worden.
Orte und Menschen
Stadtmuseum Gera
Gera
um/nach 1623
Epitaph des Nicolaus de Smit (Fragment)
1595 ließ sich der Kaufmann Nicolaus de Smit (1541-1623) in Gera nieder. Er stammte aus den calvinistischen Niederlanden. Sein Gewerbe: Herstellung und Handel von Zeugwaren, also von leichten Stoffen aus gekämmter Schafwolle. Alteingesessenen Tuchmachern musste der Zuwanderer als unliebsamer Konkurrent erscheinen, wobei man gegen ihn auch wegen seines Glaubens vorging. Doch der reußische Landesherr Heinrich Posthumus schützte einen seiner besten Steuerzahler. De Smits Stoffe waren feiner verarbeitet und anders – nach mitgebrachten Rezepturen – gefärbt. Seine Manufaktur bildete so einen Ausgangspunkt für den Aufschwung der Zeugwirkerei in der Stadt. Der Niederländer steht damit am Anfang der Entwicklung Geras zu einem Zentrum der Textilindustrie. Auch wenn nur fragmentarisch erhalten, bezeugt das wappengeschmückte Epitaph das Selbstbewusstsein des bürgerlichen Unternehmers.
Mensch und Tier
Museum für Naturkunde Gera
Gera
Graptolithenplatte
Warum sich der Hobby-Geologe und Fossiliensammler Rudolf Hundt (1889-1961) als „canis miserabilis gerensis“ – „elender Geraer Hund“ – bezeichnete, ist im Naturkundemuseum nicht überliefert. Wofür er sich aber begeisterte, weiß man sehr gut: Er trug eine Sammlung von über 40.000 Grapholithen zusammen. Diese Fossilien haben ihren Namen nach den Bildern erhalten, die uns wie Hieroglyphen oder bildhafte Zeichen vorkommen, tatsächlich aber von maritim lebenden Organismen stammen. Die winzig kleinen, wirbellosen Lebewesen bildeten eigentümlich geformte Kolonien, deren „Bilder“ sich häufig als fossile Reste in Schieferplatten finden lassen. Einige der interessantesten, wie „seine" hier abgebildete Nummer 16348, fand Hundt im Weinbergbruch bei Hohenleuben.
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